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02.12.2014

Gegendertes Selbstgespräch

Beim Warten auf die Telefonistin 8053 der Hotline von Sinopec/Sinolube entwich mir heute erstmals unwillkürlich ein gegendertes Schimpfwort: »Was ist mit der Wichserin?!«

31.12.2013

Der Architekt des Dönerparks

Erfuhr, dass der Architekt des Dönerparks im niederösterreichischen Neunkirchen kein Türke, sondern ein Österreicher ist, der ein Gutteil seiner Zeit im warmen Südafrika verbringt, was der passable Wohlstand ihm ermöglicht, den er sich mit seinen pragmatischen Bauten erworben hat. Privat beneidenswert, öffentlich ein Ärgernis: die Gebietseliten Österreichs zeichnen für allerlei städtebauliches Mittelmaß verantwortlich, müssen sich aber nicht verantworten, da das Publikum ästhetisch gleichgültig ist und sie selber einander bloß in ihren privaten Domizilen Geschmack zu zeigen haben.

03.02.2013

Palmenbeidl

Eine vife Mitschülerin hat uns Buben einst auf dem Gymnasium gelehrt, es gebe den "Blutpenis" und den "Fleischpenis", der Blutpenis sei ein kleines Ding der durch die Blutschwellung unglaubliche Maße annehmen könne. Der andere Penis sei ein stattliches, hübsch auf ein Wurstpapier des Metzgers zu klatschendes Stück Fleisch, der aber kaum wachse, während er erigiert.
Als ich heute in Hongkong einen Palmenstamm betrachtete, wollte ich in Kontakt mit der alten Mitschülerin treten und ihren Betrachtungen meinen neuen phänotypischen Vorschlag anbieten: Die Palme glich nämlich einem jener Penisse, die in der Mitte gewölbt, nach vorne hin jedoch leicht verjüngt sind (wie eine jener Säulen, die so gar nicht nach den Lehren Vitruvs und Palladios gebaut sind [diese fordern, die ersten zwei Drittel der Länge einer Säule gleich breit, die Verjüngung erst im oberen Drittel herbeizuführen]).
Man könnte solche Penisse "Palmenstammpenis" oder "Palmenpenis" nennen.
Natürlich sagte diese Frau damals nicht "Penis", wir sprechen eine derbe Sprache des Süddeutschen, sie sagte ganz wie es sich für einen Mann, und wie sie meinte auch für eine Frau gehört, "Beidl".
"Beidl" geschweige denn "Palmenbeidl" kannte mein Handy heute noch nicht, musste ich ihm, in meiner neuen von Swype verursachten Handy-Erziehungslust, beibringen.

16.04.2012

Ein Unzeitgemäßer in der Regierung?

Der arme Wissenschaftsminister Töchterle musste im Sonntagspresschen die Altphilologie schönreden.

Er schlug sich wacker, warf aber in einem wordrapartigen Nebengespräch fernab der Philologie mit drei Fremdwörtern um sich, die den Frechdachs der Nation, Claus Pandi, als er erwacht war, am Sonntagnachmittag dazu veranlassten, den Wissenschaftsminister zum »Sonderling« zu stempeln.

Das widerte die Feinsinnigen des Volkes an, wie jede Meldung Pandis, und sie feuerten zurück; auch ich. Subtil, rätselhaft und wundersam schrieb ich auf Twitter: »pandis aufgeblasene beschränktheit«.

Ich spielte auf die Art an, wie Pandi sich einerseits immer als zuvorderststehender »kleiner Mann« aufführt und seine Dummheit inszeniert, dann andererseits immer unterschwellig das harmlose, verspielte Kätzchen mimt, aber wie er im Endeffekt immer den Eindruck eines Trottels hinterlässt, und zwar, eben, eines großen, aufgeblasenen.

Dann legten die Feinsinnigen sich nieder und sahen fern, der Feinsinnigste unter ihnen aber, ich, zog noch einmal in die Aprilkälte hinaus und huldigte im Stillen dem Wissenschaftsminister: dem gestandenen Philologen!

Philologe sein, wie Nietzsche in seinen Fragmenten vermerkte, macht Einen immer zutiefst unzeitgemäß. Das wollen wir alle, und wir brauchen es.

Schade ist, dass im Lichte eines Claus Pandi bereits Töchterles harmloses Lateinlehrergeschwafel als unzeitgemäß erscheint.

27.07.2011

Lasse Kjus Demokratie

Norwegens Schifahrer Lasse Kjus ist zur Vorbereitung auf die Weltcupsaisons mit Schistöcken durch die Moore seiner Heimat gestapft. Bilder in einem Sportprogramm des ORF zeigten ihn einmal mit erstaunlicher Geschwindigkeit sich durch oberschenkelhohes dichtes Erdreich bewegen und zu einem »Kraftpaket« werden. Ich erinnere mich an diese Bilder, als ich die Äußerung des norwegischen Staatssekretärs Eide nach dem Massenmord von Utoya lese:

»Dieser Mann wollte unsere Art zu leben verändern. Aber das lassen wir nicht zu. Wir wollen uns nicht von einem Einzelgänger diktieren lassen, wie die norwegische Gesellschaft in Zukunft auszusehen hat. Deswegen wollen wir so weitermachen wie bis zum vergangenen Freitag: als eine tolerante und transparente Gesellschaft. Das ist meine tiefe Überzeugung.«

Im Gegensatz dazu: was haben Politiker in Österreich zu sagen? Lest es. Merkt euch diesen Schwachsinn. Stellt euch vor: Mikl-Leitner, Faymann, Spindelegger in einem Moor: sie würden stehen bleiben und sich anscheißen.

28.10.2010

Fett weg!

Es fällt mir nichts ein und so greife ich zur Aktualisierung dieses Weblogs auf meinen Schatz zurück: das Archiv meiner Erzähltexte. Es befindet sich eine Ballade darunter, die sich schön an die für potentielle Leser hier bereits verwahrten Erzählungen reiht: In ihr entlädt sich wie in Vor Weihnachten und in Steuern runter! meine begrenzt zu Gefallendem fähige Fantasie in gar ungustiöser Form und unendlich miesen Reimen.

Fett weg!

Renée aß gut und nie zu knapp,
sodass ein Bäuchlein wuchs,
das träge wabbelnd, riesig schlapp
vom Bau der Knochen weit stand ab.

Renée war fett, sie war voll Speck,
und dachte sich: »der Bauch muss weg!«

Sogleich sah sie ein Titelblatt,
worauf die Kunde des Versuchs:
»Wer zuviel Fett zu tragen hat,
dem raten wir zu großer Tat,

die Fettbauch löscht, wie Bäum’ ihn fällt,
die Schmerz, doch dann viel Freude bringt:
da sie verhindert dass er schwellt,
und endlich sich nur so verhält,

wie Fels, der leicht im Winde schwingt,
wie Leder, das im Wasser gellt,
wie Taubheit, die auf Bühnen klingt,
und Ghandhi, der in Schlachten ringt.«

(Für Leser, die sich ausgeklinkt:
es sind paradoxales idées:
was nicht nur hinkt: nein auch was bringt:
Sie zeigen das, was nicht geht, klar.)

Ein Klotz, der hierzu beig'legt war,
erhöhte gleich die Lust Renées,
denn solche Goodies sind sehr rar,
und stelln den Zweck des Kaufes dar.

Ob Sternenspruch, der immer wahr,
Rezept für Ess- und Sexbaisers,
Ob Creme für Haut, ob Gel für Haar,
man zahlt mit carte und nimmt's für bar.

So lockt sie auch der Klotz, der schroff
und schwer beinahe runterfällt.
Nur dürftig hält ihn Klebestoff,
Renée greift zu und sagt, »ich hoff

er hält bis ich im Freien bin.
Der Text daneben sagt, dass ich
belasse, und erst löse ihn,
wenn draußen ich, und nicht mehr drin,

in Luft bin, des Versuchs Revier.«
Gesagt, getan, gehofft, gekauft,
getrieben von der Taillengier
geht sie hinaus, wir folgen ihr,

zum Parkplatz, wo sie halbnackt steht,
die Bluse bis zum Halse rauft
und ihrem engen Kleid entlädt
die Masse, die sich quallig bläht.

Die »Infobox« im Heft weist an,
wie richtig man den Schlankheitsgag
am Wanste zelebrieren kann,
worauf sich auch Renée besann:

Sie löst den Klotz vom Cover weg,
sie zwickt ihn in die Falte sich,
inzwischen zweier Schwarten Speck,
und spannt den Rest an Muskeln keck.

Da knallt der Klotz, da fliegt ein Dreck
aus Fett und Darm; ein Lebereck;
an Speckes statt ein großes Leck:
Erfolg gehabt – der Bauch ist weg!

17.09.2010

Zuck is no dumb fuck

In instant messages nannte Facebooks Gründer Mark Zuckerberg seine ersten user, Harvardstudenten, "dumb fucks", da sie ihm so viele Informationen (Mails, Fotos, Adressen) zur Verfügung stellten; zudem bot er seinem Gesprächspartner an, ihm diese Informationen weiterzugeben.

31.08.2010

An alle Sorryisten -

sorry, ich muss mal schnell über euch lachen.

Ein Plädoyer gegen das unüberlegte Ausstoßen eines »Sorry« oder das Schreiben eines flotten »sry« würde moralisch und altmodisch klingen. Gegen den verbalen Schlag ins Gesicht »tut leid« hat »dag« oder »rau« schon irgendwann im Jahr 2003 oder 2004 einmal auf der Standard-Titelseite geätzt – ich erinnere mich, ich war damals Schüler und Standard-Leser und es war die letzte Standard-Glosse, die mir gefallen hat.
Ich liste hier einfach die geilsten Sorrys auf, die mir je untergekommen sind. (Und es ist mir ja irgendwie peinlich, dass mir gar so viele untergekommen sind; ich fühle mich minderwertig, wenn mir wer ein »Sorry« rüberschiebt. Egal!)

Arbeitskollege rülpst und sagt »Sorry«.
Ich frage einen Freund, ob wir Tennis spielen gehen, er sagt: »Heute eher sorry«.
Anderer Freund vergisst Tennistermin und antwortet per SMS mit einem Verzeihungs-Overkill: »Verdammt!! Hab vergessen dich zurück zu rufen! Sorry. Es geht sie heute bei mir leida net aus. Tut leid«
Eine Erstsemesterin bietet mir an, mir einen Platz in der Inskriptionsschlange freizuhalten und schreibt Stunden später, nachdem ich mich bereits anderswo durchgekämpft und alles erledigt, die aufdringliche Pseudohelferin aber nicht darüber informiert hatte: »Sorry!leider haben die leute dort mit 499 aufgehört und dann vor meiner nase die tür zugemacht!hätte dir geschrieben aber war so verärgert dass ich vergessen habe! lg«
»Sorry bin wieder spät dran.« Gibt's das auch als Vorlage?
»Sorr, hab schon wieder verschlafen. Soll ich noch nachkommen? Bräuchte 30 minuten.«

Ist fortzusetzen!

15.06.2010

Was ich noch hasse -

die Leute, die den Bau von Wasserkraftwerken stoppen wollen. Dreischluchtendamm, Sichuan. Ilisu, Türkei. Das sind die Bobobeidln, die zu Hause in stylishen Verhältnissen leben und auf Urlaub dann ihr mitgebrachtes DATUM in einer zurückgebliebenen, "romantischen", stromlosen Umgebung fotografieren wollen.

12.03.2010

Beitrag für Wettbewerb schlechter Geschichten

Ein Autorenverein in Hamburg sucht die schlechteste Geschichte der Welt. Hier meine Einsendung, entstanden im August 2009:



Wir alle haben unter unseren alten Bekannten jemanden, der vielleicht nicht unser Freund war, den wir aber schätzten und für immer in wohlwollender Erinnerung behalten. Ich traf auf so einen verehrten Menschen, als ich vor ein paar Monaten, im Supermarkt, eine Jause kaufte. Er stand »plötzlich« vor mir an der Kasse, und ich war darüber so erfreut, dass ich ihn grüßte und ihm die Hand drückte, als wären wir früher eng miteinander verbunden gewesen. Er war überrascht von der Überschwenglichkeit, aber nicht peinlich berührt. Er merkte, wohl unbewusst, dass in meiner Begrüßung die Hoffnung lag, mit ihm, nach vielen Jahren, ein längeres Gespräch führen zu können, und war selbst nicht abgeneigt. Er schlug vor, nach Art von alten Bekannten, sich am Abend auf ein Bier zu treffen. Jetzt müsse er etwas erledigen, und morgen reise er wieder aus der Stadt ab.
Ich sollte am Abend an einem Empfang von Geschäftsleuten teilnehmen und schlug dem Mann »unverwandt« vor, dass auch er dorthin kommen solle. Momentan sah ich an seinem Anzug, seinem Hemd und an guten Lederschuhen, dass er sogar ohne Garderobenwechsel erscheinen werden könne, und zudem unterstellte ich ihm »insgeheim«, aufgrund des unbegründeten Wohlwollens, das ich für ihn hegte, dass er nichts anderes als eben ein tüchtiger Geschäftsmann, und eine Bereicherung der Abendgesellschaft sein könnte.
Er bestätigte meinen Glauben, indem er zufrieden meine Einladung annahm und sich für den Abend empfahl. Und so bezahlte ich »vergnügt« meine Jause, suchte mein Büro auf, und später das Hotel, in dem der Empfang stattfand.
Ich wartete, unter Händeschütteln, Smalltalk und Aperitivs, auf meinen Bekannten, und meine Freude blühte frisch und wie beim ersten Mal auf, als er, nach einer Stunde, den Festsaal betrat. Er hatte sich umgezogen, trug einen anderen, einfachen Anzug, und meine Hoffnungen erfüllten sich. Die Leute für sich gewinnend, stellte er sich schwungvoll und sympathisch vor, erzählte von seinem Geschäft, horchte auf ihre Berichte, und grub, nach seinem Verhältnis zu mir befragt, einige hübsche Erinnerungen aus, die nicht einmal ich mehr wusste, und die er sehr ergreifend schilderte. »Es entstand der Eindruck, als wären wir die besten Freunde, und indem dies geschah, fühlte ich mich, als sei es immer so gewesen.«
Gegen Mitternacht, da es ein großer Empfang war, lief überall noch die beste Unterhaltung, und es stießen weitere Gäste dazu. Endlich wurde der Kanzler gemeldet, der sein Kommen versichert, aber lange darauf warten hatte lassen. Natürlich kam es auf ihn nicht an, und so fiel der Eintritt des Regierungschefs, an der Hand seiner Gattin, und nicht einmal umschattet von Leibwächtern, kaum auf, und fügte sich in das belebte Kommen und Gehen.
Doch mein Bekannter unterbrach, als er den Kanzler erblickte, sein Reden, und folgte mit einem kalten Blick, der wie Frost auf sein Gesicht trat, dem ankommenden, fröhlich grinsenden höchsten Politiker. Nach zwei Sekunden blieb der Blick gleich wie der Kanzler, der sich zu einem Gespräch einließ, stehen, und mein Bekannter, wie ein Adler, der eine stillhaltende Beute fixiert, platzte los. Er stach geradewegs durch die Menge, die sich, teils gestoßen, teils vorsichtig und frappiert ausweichend, aus seiner Bahn spalierte, und begann auf halbem Wege, mit bebender Stimme, die Worte an den Kanzler zu rufen: »Steuern runter!«
Der Kanzler war dabei, seinem Smalltalkpartner die Hände zu schütteln, umzudrehen, und die nächste Begegnung, in der anderen Richtung, wo noch kein Aufhebens gemacht worden war, anzustreben, da ertönte wieder fürchterlich: »Steuern runter!«, und er wandte sich in die alte Richtung, sich erkundigend, »bitte was?«, als mein Bekannter, bloß noch drei Meter vor ihm, ein drittes Mal in erschreckender Aufwallung schrie, »Steuern runter!«, und noch einmal: »Sofort die Steuern runter!« Der Kanzler atmete kurz auf, da er seinen Leibwächter, der unbemerkt nachgekommen war, als Schutzschild, zwischen ihm und dem Aggressor stehend, erblickte, und setzte ein kalmierendes Lächeln auf, und legte sich einen Satz zurecht wie, »wir sind in einer Demokratie, da geht das leider nicht so sch...«, als, mit Urgewalt, mein Bekannter wie durch Papier stürzend den stark beleibten Leibwächter umhaute und mit den Händen den Hals des Kanzlers fasste, zudrückte, ihn zu Boden stieß, sich über ihm aufrichtete, weiter würgend, kräftig drückend, und dabei ohne Pause rief: »Steuern runter! Steuern runter! Steuern runter!«
Aus dem Zwischenfall wurde ein Aufruhr. Die Gäste versammelten sich schockiert um den Platz des Kampfes, wo hilflos der Kanzler ermordet wurde, peinigende Gurgelgeräusche von sich gebend, wo die Gattin des Kanzlers ohnmächtig umfiel, wo der Leibwächter, und noch vier andere Männer, kraftlos und erfolglos von hinten und von der Seite die angreifende Bestie in Zaum zu bekommen suchten. Polizisten rannten herein, »mit den verdammten Steuern runter!« von weitem hörend, und schlossen sich der machtlosen vielköpfigen Rettungsaktion an, aber ohne Chance.
Es dauerte lange; schon viele hatten schwarz gesehen. Mit Elektroschocks wurde mein Bekannter gezähmt, und mit Elektroschocks wurde der Organismus des Kanzlers wieder hochgefahren. Sein Hals war Wochen rot.
Ich besuchte meinen Bekannten nicht im Gefängnis. Die an jenem Abend Wirklichkeit werdende Freundschaft »kam mir nur mehr wie ein Traum vor«, so existent oder inexistent, so verschwunden und nur momentelang hoffnungsvoll imaginiert wie in den Jahren zuvor. Die Sehnsucht war weg, ihn kennen zu lernen; ein einziger Eindruck hatte sich in mein Gedächtnis gebrannt, der Angriff, sein furchtbarer Würgegriff, das »erbarmungslose« Geschrei.
Es gab aber auch welche, die versuchten, der Szene einen positiven Sinn zu geben. Ein alter Steinmetz, der in seiner Jugend eine Bildhauerlehre gemacht hatte und das Handwerk noch bis zur Kunst beherrschte, meißelte den Tobenden, der den Kanzler auf den Boden hinuntergedrückt hielt, in Granit; in einen Sockel meißelte er, was ihm ein befreundeter Zimmermann empfohlen hatte:

Der Staat stiehlt ihr das Geld,
sie ist nicht mehr recht munter;
mit Wirtschaft stirbt die Welt,
drum fordert: Steuern runter!

03.03.2010

Naomi Campbell einsperren

Sie hat schon wieder wen verprügelt, und niemand sperrt diese widerliche Gewalttäterin ein. Das finde ich nicht gut, da frustrierte, aggressive Frauen in der ganzen Welt sich Naomi indirekt zum Vorbild nehmen; ihre eigenen Gewalttaten legitimieren; sich einbilden, sie dürfen, weil sie wie Naomi einzigartig und eine starke Frau seien, bei Lust und Laune einfach losdreschen.

Wenn das so weitergeht, sind wir – die nicht immer gleich, oder sogar nie, oder zumindest gegen das stärker werdende Geschlecht nie die Faust einsetzen – in der ganzen westlichen Welt einem ganz schön großen Pöbel von Aggroweibers ausgesetzt. Die schlagen, weil sie sich nicht beherrschen können. Die sich nicht beherrschen, weil sie schlagen dürfen. Die schlagen dürfen, weil sie »mit einem blauen Auge davonkommen«. Weil ja eine schlagende Frau akzeptiert werden muss, und weil es ja nicht so schlimm sein kann, so ein Weiberwatscherl. Weil man ist Chauvinist und lässt sich vom schwachen Geschlecht nicht herausfordern!

Falsch! »Mit einem blauen Auge davonkommen« hieße idealerweise, dass man sich im Fall Naomi Campbell, z.B. als ihr Chauffeur, ihre Wut nicht gefallen lässt; einmal auf Deeskalationsverhalten verzichtet; – und zurückschlägt. Ihr ein blaues Auge verpasst. Nicht die andere Wange hinhält; nicht den Psychosprech anwendet (»Nein! Ich will das nicht! That hurts atrociously, my dear fellow!«). Die Fortsetzung des Neins mit effektiveren Mitteln.

Aber hier werde ich kleinlaut wie ein Kronen Zeitung-Kolumnist, der zusehen muss, wie seine aufflammende Gegenaggression vom Sturm guter Menschen erstickt wird. Denn was bringt es, Naomi zu schlagen? Man wird zum Buhmann. Oder man wird von Naomi umgebracht: die haut doch glatt wieder zurück, oder knallt dich mit einer Buffen ab.

Ich schlage den Opfern und den klugen Staatsanwälten (Strafrecht!) dieser Welt vor, Naomi Campbell zu verklagen. Kein Schmerzensgeld. Kein Vergleich. In den Knast mit der Furie! Das wäre für alle Opfer plötzlicher Frauengewalt eine Genugtuung, und für alle anderen Aggroweiber wäre es eine Warnung.

13.02.2010

Alfons Haider plötzlich cool, dann wieder verlogen

Hat mich mit seinem »notorischen« Auftritt in »Willkommen Österreich« zum ersten Mal gründlich erbaut – war spontaneloquent und nicht wie sonst aufgesetztcharmant, war witzigbissig zu den Gastgebern (»einer redet, der andere schwimmt«), you name it was er sonst noch war. Vielleicht war er zum Beispiel für irgendwelche Schwuletten »antörnend« im sexuellen Sinn. Für mich war er antörnend im »intellektuellen« oder »philosophischen« oder »diskussions« Bereich – sag ich ja, erbaut hat er mich.
Aber dann dreh ich entgegen dem klugen Holender (von dem ich nicht ungern der (ältere) Sohn wäre) seinen Ratschlag den Fernseher auf und erwische ein Interview, das Haider mit einer hübschen Künstlerin und einem deutschen Überseedesigner führt,...
und nur verschissenes Zeug, was der redet! Lässt er den Deutschen einen vollen Bockmist verzapfen, nämlich dass es »so etwas« – –
was »so etwas«? den Opernball? Nein. Die beiden meinten glaube ich einen durch den Opernball hervorgerufenen, durchdringenden und inspirierend wirkenden Mythos »das alte Europa und seine Kultur« – –
in den Vereinigten Staaten nicht gebe. Fragt er den Deutschen dann noch dazu: »Und in Deutschland?« – Sagt der Deutsche, eh erst nach einem kurzen Überlegen: »Nein.« – Und sagt dann: »Danke für das Kompliment.«
Anstatt ihm die Fresse zu polieren! Weil so was von verlogen gibt's ja gar nicht! Na sicher gibt es so was in den Vereinigten Staaten!!! Das Überschwappen von europäischer Kultur in die amerikanischen Metropolen hat erst zum Enstehen des heutigen »altes Europa und seine Kultur«-Mythos beigetragen! Erst dadurch, dass Richard Strauss seine »Sinfonia Domestica« op. 53 in New York (in einem Kaufhaus! Im »Wanamakers«) uraufführte, ist es uns heute möglich, uns dafür geil zu finden, welche reichen »Erben« von welch toller »europäischer Kultur« wir sind.
Und indem ich Richard Strauss nannte, den deutschen, besten Profikomponisten des 20. Jahrhunderts, habe ich auch schon entkräftigt, dass es »in Deutschland so etwas nicht gibt«. Weil na sicher gibt es so etwas in Deutschland!
D.h. »das Erbe« gibt es in Deutschland. Es gibt halt nur anscheinend in Deutschland keine EWIGGESTRIGEN ERBSCHLEICHER UND ERBSCHEISSER, die eine hundert Jahre tote Kunst und »Kultur« (Strauss, Mahler, Wiener Philharmoniker & CO) Jahr für Jahr in irgendeinem »ehrwürdigen« alten Gebäude aus jener Zeit zwangsperpetuieren. Es gibt gibt halt anscheinend in Deutschland »neues« Erbauliches, das eine ständige Rückbesinnung auf vergangene Größe überflüssig macht.
Und wenn dem so ist, gehört den DEUTSCHEN ein Kompliment. Und der Alfons Haider gehört auf seine Verlogenheit aufmerksam gemacht – einerseits der realistische Beurteiler Österreichs, andererseits der lächerliche Opernballverniedlicher und -wichtigtuer.

McCafé verbieten

Weil mies. Keine Steckdosen für meinen lahmen Macakku (= nicht die Einzahl der Affen, sondern das Ding mit Strom). Keine Garderobe. Oder zumindest irgendwelche Haken an den (»aalglatten«, könnte man sehr wortgewandt sagen) orangen Säulen. Und am Klo die Pissbecken so tief unten, dass man sich wundert, wie lang der österreichische Schwanz ist – und sich wegen seines eigenen »Zumpferls« »geniert«. Und dann noch die neuen Händetrockner vom Chauvinistenstaubsaugerhersteller Dyson. Haben mir eine Zeit lang gefallen. Aber da waren irgendwelche braunen Rückstände. Da fiel mir gleich eine Idee für eine Kurzgeschichte ein: Steckt wer seine Hände, lässt sich das Wasser absaugen, auf einmal schießen braune Brocken aus dem Saugraum. Herrliche Geschichte; erfrischende Variation des Themas »altes Auto, unidentifizierbarer Dreck aus Frontlüftung dringt auf der Autobahn in die Fahrerkabine«. – Aber in der Wirklichkeit mies, grindig, eklig, you name it.
– Bin stolz auf meinen ersten »spontanen«, blog-haften Eintrag. »McCafé verbieten« deswegen Titel, weil ich ja »Ironist without being Liberal« bin – fordere eine wahnwitzige Anti-Hausverstand-Gesetzgebung. Na und das tue ich nun – dieser verschissene (mein neues Lieblingswort!) McCafé gehört per legem (sagt man das so?) oder qua lege (das geht bestimmt!) zugeschissen.
(Das letzte Wort kommt von »Neunkirchen gehört zugeschissen!«, ein Eifersuchtsfetisch einiger junger Bewohner konkurrierender Kleinstädte dieses Bezirks in Niederösterreich.)