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15.08.2021

Gebt den Rollern Blinker

Rollerfahrer geben kein Handzeichen, weil das gefährlich ist. Einhändig zu fahren ist auf einem E-Scooter schwieriger als auf einem Fahrrad.

Wenn das Kuratorium für Verkehrssicherheit nun zu einer für die Banalität ihrer Erkenntnisse sehr späten Zeit eine Statistik vorlegt und mahnt, Handzeichen zu geben, unterstützt es die (angebrachte) Empörung der Autofahrer und Fußgänger, trägt aber zur Verkehrssicherheit wenig bei.

Ein vernünftiger Vorschlag des Kuratoriums wäre: „Jeder E-Scooter muss mit einem Blinker ausgestattet sein, um auf öffentlichen Straßen fahren zu dürfen. E-Scooter ohne Blinker werden von Parkwächtern konfisziert.“ Die Beamten dürfen ihn umformulieren, damits keiner mehr versteht und er eh wirklich ein Gesetz werden darf.

Bevor das Gesetz dann verabschiedet wird, sollten die Politiker es unseren Unternehmern erzählen – damit sie einen Vorteil haben und früher als andere Marktteilnehmer Roller mit Blinkern herstellen, beschaffen oder umrüsten können.

Ich bin gespannt auf die für Herbst angekündigten Verkehrsvorschriften der Wiener Stadtpolitik. Nach Jahren der Säumigkeit hat die Politik sich endlich ihrer Aufgabe angenommen, verbindliches Recht für alle zu schaffen.

25.12.2016

Zwei Versionen eines Radfahrgedichts

Aus dem Heft »Ten Poems about Bicycles« der Candlestick Press (2009:2015) ein Gedicht von James Roderick Burns, Boy on a Bicycle:

A boy rides a bicycle before the first world war. He is eighteen,
almost nineteen – a man, really – and wears his new uniform with
pride. He is cycling along an embankment on the outskirts of a
small town. The sun is halfway towards noon, the wind tousling his
light brown hair; his pinkish lips are mouthing a music-hall ditty
under his sparse moustache. He is going to see a girl he used to know.

He has no idea he will be dead in a week, his legs thrown out the
wrong way under a snarl of barbed wire. Now he marvels at the
warmth of his muscles as the chain drives the wheels around.
Now his tongue tastes of mint and apples.


Ohne den Tod läse sichs so:

A boy is cycling along an embankment on the outskirts of a
small town. The sun is halfway towards noon, the wind tousling his
light brown hair; his pinkish lips are mouthing a music-hall ditty
under his sparse moustache. He is going to see a girl he used to know.

Now he marvels at the warmth of his muscles as the chain drives the wheels around.
Now his tongue tastes of mint and apples.

08.11.2015

Entwicklungsland Mariahilferstraße

Mit der Stilllegung von Straßen und der Zuteilung des gewonnenen Raumes an Gehende und Sitzende versperren die Grünen in Wien der Weiterentwicklung des Individualverkehrs den Weg.

Auf der Mariahilferstraße gab es früher zwei Fahrradstreifen und auf diesen größere Bewegungsfreiheit für Radfahrer als in der neuen Begegnungs- und in der Fußgängerzone. Da war Eine Bahn – respektiert von Autofahrern und Gehenden. Frei zur Entfaltung des Vorwärtsdranges. Radeltest du gemächlich, mussten schnellere Radfahrer hinter dir, analog zum Autofahren, sich gedulden und auf eine Überhol-Gelegenheit warten. Diese bot sich im ohnehin stockenden KFZ-Verkehr und an Ampelkreuzungen oftmals. Schnelle Radler kamen schneller und gemütlicher vom Europaplatz zur Hofburg, gemächliche gemächlicher und immer noch schnell.
Heute herrscht ein Durcheinander »freier« menschlicher Bewusstseinssysteme, die alle ihrer Wege gehen. Es gibt mehr sich kreuzende Wege als zuvor, und Radfahrer müssen sich mit jeder Befahrung aufs Neue Ordnung schaffen.
 
Es geschah, dass ich einem Fußggängerpaar auswich und einen von hinten kommenden Radfahrer am Fortkommen auf seinem imaginären Weg behinderte.
Aufpassen! knurrte er. 
Ich bat um Verzeihung. Ärgerte mich sofort darüber. Wozu die Untertänigkeit? Einen Zusammenprall hätte er verantworten müssen, weil Auffahrunfall: Auffahrender schuld. Die Regel ist aber außer Kraft gesetzt!
Es beginnt bei den Gehenden. Die gehen. Und ihr Recht dazu gilt nun auf der gesamten Fläche der Mariahilferstraße. Sie üben es aus, manche rücksichtslos, schwierig zu polizieren.
Dann komme ich dahergerollt – keine Rede mehr von permanentem Durchtreten der Pedale – und weiche den überall kreuzenden oder fortwärtsschlängelnden Gehenden aus: und zwar zugegeben ohne zu beachten, was hinter mir geschieht: das Radfahr-Äquivalent zum Seiten-Spiegel-Seitenblick ist ausgeschaltet. Sind ja keine (besonders schnellen) Autos zu beachten.
Hinter mir jedoch der Radfahrer »verhandelt sich seinen Weg« (wie es in der englischen Sprache hieße) über eine auch für ihn »freigeschaltete«, grenzenlose Fläche mit beliebig wählbarer Route. Für ihn ist ausgeschaltet die Regel, dass er Langsame vor ihm verschonen muss. Wenn ihm nunmehr etwas in die Quere kommt, ist er wütender, als er früher auf dem Radfahrstreifen der alten Mariahilferstraße je hätte sein dürfen.
Eine Kettenreaktion der Rücksichtslosigkeit!
Der Raum der Radfahrer wurde enteignet. Früher hatten sie ihren Streifen, ihre Bahn; heute Öffentlichkeit, »Begegnungszone«, Umständlichkeit. Wie in einem Entwicklungsland geht es zu, seitdem die Grünenauf das »Reset« des Städtebaus drückten. Es ist besser, auf ein Entwicklungsland hinabzublicken und es spannend zu finden, als in einem zu leben. Auf tabula rasa folgt die Neuschaffung von Regeln. Hierbei scheint mir die Vielzahl der Fußgänger, unter demokratischen Bedingungen, im Vorteil zu sein.

01.02.2015

Radfahrbahnen und Reichenrückzugsstädte

Um meinen Blog ein bisl aufzufleischen füge ich hier ein Paar Kommentare ein, die ich unter irgendwelche Artikel postete:

a)
»Another sloppiness in this article: Bicycle lanes are still ubiquitous in China; they are also being built into new boulevards, for example here in Cixi City, Zhejiang (Xin Cheng Da Dao).
The bike lanes on the great boulevard of Nanjing, Zhongshan East Rd, were often perused by cars as an additional lane during peak traffic.
And what's most important, everybody (which in China really covers almost everybody) wants to imitate the "big mass" and have a car. Many think it's reasonable to drive a car for security reasons too -- they're not totally wrong, the traffic is horrible, I've driven a car for two years now and "amazed that I survived, I don't know what saved my life."«
Unter den Lesern werden sicher ein paar die Anspielung auf das Radiohead-Lied verstehen, Airbag, aber wie so oft bei mir ist es ein komplett unnediges Zitat!!!!!

b)
»Mein verklemmtes Ich würde ihn vielleicht auch „unsympathisch“ finden, aber ich gebe mir einen Ruck und finde ihn für seinen dionysischen Charme leiwand, und auch dafür dass er seine eigene Person seine Auftritte besorgen lässt und keinen Gouvernanten-„Pressesprecher“.
Vermutlich wegen des von Ihnen angezeigten Aufpassenmüssens auf hiesige Durchschnittsbefindlichkeiten hat er in einem anderen Gespräch bereits angedeutet, in naher Zukunft nach München ziehen zu wollen.
Welche Autos er – im Jahr 2011 in den Staaten – besaß, ist hier nachzulesen:
http://www.forbes.com/sites/tamarawarren/2011/02/02/maximilian-riedel-has-a-taste-for-super-cars/«

Von wem die Rede war steht in dem Link.

11.09.2014

Soravia Radweg

Vorschlag der Grünen, über Supermärkten und Schulen Wohnungen zu bauen. Find ich auf jeden Fall besser als Hochhäuser (die Grünen-Sprecher Chorherr ebenfalls nicht für notwendig hält). Passt zu Wien. Von Freud kam der Gedankenanstoß, ein aus allen Zeiten zusammen- und übereinandergewachsenes, nie zugrundegegangenes Rom sich vorzustellen. Am Donaukanal bereits verwirklicht, wo Zaha Hadid über der alten Stadtbahn baute. Das Konzept ist sowieso logisch und an vielen Orten gebaut, z.B. unweit der S-Bahnstation Hernals, wo von vorneweg über dem Merkur Wohnungen geplant gewesen waren.
Selber will ich angesichts des grünen Vor-Wahl-Enthusiasmus vorschlagen:
Ein Radweg-Viadukt: zwischen fünf und zehn Meter hoch, mit einer kleinen Steigung vor dem Museum Albertina....der Radweg soll über den Soravia-Wing verlaufen, von der Goethegasse her kommend (und davor natürlich von der Mariahilferstraße), und in die Leopoldstadt führen. Die kleine Steigung, die der bestehende Soraviaflügel darstellen würde, wäre eine Pointe oder ein Gag oder eine photo opportunity oder eine Anspielung auf die hohe Kunst da drinnen in der Albertina oder so.
Der Ringradweg ist ja super, aber ein direkter Weg durch die Innere Stadt wäre schon toll. Würden die Namengeber ihren Namen noch einmal stiften? etwas spenden? den Radweg glatt bauen? Bitte, Soravia Brothers.

27.05.2014

Gute Bürger radeln schnell

Ein guter Bürger ist jemand, der schnell Rad fährt. Was mir seit meinen Radfahrzeiten in Wien irgendwo in den Beinen als unausgegorene Gedankenessenz schlummerte, ist beim Lesen dieser Hommage an Rainald Goetz Bewusstsein geworden. Und auf den Straßen Shanghais, wo manche Ausländerinnen ganz schön flott unterwegs sind.
Einem schnellen Radfahrer gebührt das Voilà un homme des 21. Jahrhunderts.

16.02.2014

Klientelpolitik

Zur repolitisierten Stadtplanung Wiens (Projekt Mariahilferstraße) im Spectrum: Stimme der Meinung des Autors zu und teile seine Raumerfahrung. Würde ihm gerne von meinen Erlebnissen als Radfahrer auf der ursprünglichen (Ubahn-Ära-)Mariahilferstraße erzählen, von der er verknappt als voll und eng spricht. Nämlich erlebte ich den Fahrradstreifen als Expressbahn durch die Straße und seine zeitweise Inanspruchnahme durch Fußgeher als willkommene Hindernisse, die die Aufmerksamkeit schärften. Die zäh rollenden Autos schätzte ich als Objekt meiner Schadenfreude, wünschte sie aber keinen Augenblick lang aus der Straße hinaus. Bin auch selbst einige Male die Straße mit dem Auto durchfahren. Die Klientelpolitik der SPÖ-Grünen-Stadtregierung befriedigt weder den Radfahrer- noch den Geh- noch den Autofahr-Klienten in mir.

12.10.2013

Die Verbergung der Pflastersteine

Verbildlichungen der zukünftigen Mariahilferstraße wurden veröffentlicht. Den Kommentierern des Presschens zischt die gehörige Portion Zornschaum aus dem Mund. Manche empören sich, schwer zu sagen ob im Ernst oder als Spitze gegen die Grünen gemeint, über die ins Bild gesetzten bzw. schändlicherweise nicht gesetzten Leute.
Die Politik bietet dem Volk eine Vision der Zukunft, um den Anschein zu erhalten, diese sei von den Bürgern mitgestaltbar. Einmal vorgestellt, wird die Vision als Scheibe benutzt, auf die alles geworfen werden kann (und zwar Dartpfeil-, nicht Diaprojektor-mäßig), was man den Politikern immer schon sagen wollte.
Die zu bestreitende Frage, ob die Mariahilferstraße gepflastert werden soll, bleibt unbestritten. Da das spitzfindige Volk zeigen muss, dass schlecht gephotoshoppt wurde (die simulierten Fußgängerinnen »schweben«), und wie toll es die Bedeutung des Fehlens von Menschenschatten auslegen kann.

Wichtiger als Trampoline, Soziologie und Utopienästhetik:

Pflastersteine legen oder nicht?
Die wagemutigen Skateboarder von New York, wie sie neulich in der dortigen Zeitung beschrieben standen, kämen auf ihnen gut zurecht, es handelt sich um flache, glatte Kunststeine.
Sie dürften tatsächlich bremsend auf Autofahrer wirken. In der Mariahilferstraße wäre das unnötig, da es hier schon bisher nur langsam voranging. Pflastersteine würden bloß zur Kennzeichnung der Mariahilferstraße als jene lässige Zone beitragen. Erst mit den Pflastersteinen würde Stadträtin Vassilakou einen auch für die Belämmerten unübersehbaren Stadtbau-Akzent setzen.
Ich persönlich will keine, weil sie mir vorkommen wie ein Provinzhauptplatz und wie ein Spießergarten und weil ich die unermüdlichen Betonplatten Hongkongs schätze.

Sollen neue Sitzbänke mit Rückenlehnen ausgestattet sein?
Rückenlehnen fehlen in der Vision fast gänzlich. Die, die es gibt, sind kantig und dienen zugleich als zweite, höhere Sitzebene. Müsste testsitzen können.
Die meisten projektierten Sitzbänke jedenfalls haben keine Rückenlehnen. Sie wären auszuhalten, hätten vielleicht sogar ergonomisch-volkswirtschaftliche gute Auswirkungen, es gibt vielleicht Leute, die keine Rückenlehnen benötigen. Ich vermute weiterhin eine Designkrise und bevorzuge angenehme Sitzbänke.

Soll die alte Mariahilferstraße wiederhergestellt werden?
In dieser Petition wird diese Forderung erhoben. Ich hatte überlegt, zu unterschreiben, finde sie aber reaktionär, besserwisserisch und gesättigt-bourgeois-dekadent.

22.09.2013

Johnson, Bloomberg (& DeBlasio). Häupl.

Wann hat Michael Häupl zum letzten Mal ein Fahrrad bestiegen? Der Wiener Bürgermeister steht im Gegensatz seiner dynamischen Kollegen aus London und New York da, unbeweglich. Boris Johnson fährt Rad, Michael Bloomberg fliegt seinen Hubschrauber. Michael Häupl sitzt auf dem sich biegenden Brett einer Heurigenbank und trinkt Spritzer. Seine »Blaadheit« und sein üppiger Weingenuss sind Mythologie. Die Volksmehrheit scheint ihn irgendwie zu mögen.
Ich glaube, Michael Häupl wird jeden Tag auf einer Kutsche ins Rathaus chauffiert.
Werden die SPÖ und Grünen-Politiker am Montag bei der Sondergemeinderatssitzung dem angeblich von Häupl stammenden Diktum folgen und eine Verlängerung der Fußgängerzone Mariahilferstraße beschließen, und eine Verbannung der Radfahrer aus ihr?

(Ist Häupl das immobile pars pro toto, der Körper Wiens wie Kohl der Körper Deutschlands war, und wächst die Fußgängerzone wie die Wüste, und wie Häupls Bauchumfang*?)

Wahrscheinlich. Das behäbige Wien obsiegt. Die gesamte Fläche auf der bis zur Stiftgasse wachsen sollenden Fußgängerzone wird dem Schlendern gewidmet. Keiner kommt auf die Idee, oder kann sie durchsetzen, 5% aus der Fußgängerzone zu meißeln und den Radfahrern zu geben. 100% Fußgänger: Orthodoxie. Die sorgenfreie Welt für den sorgenfreien Schlenderer.

(Es gab Politiker, die im Vorfeld der fußgängerzone-warming-party vom Flanieren sprachen, das nun durch die Fußgängerzone quasi möglich werde.
Ich lasse das verbrauchte Wort »Flanierer« und »flanieren« beiseite, denn die mir bekannten poetischen Erfinder des Flanierens, Charles Baudelaire und Robert Walser, hatten keine Fußgängerzonen zum Flanieren notwendig und haben auch nie so unbeholfene und reaktionäre Gedichte mit negativer Radfahrsymbolik geschrieben wie {der Wiener} Ferdinand von Saar. Schlendern angemessenes Wort.)

*Herrn Clemens Hüffel zufolge wachse Elmar Oberhausers Bauchumfang stündlich. Ob als mikroskopische oder als vorsokratische Beobachtung ist das eine große Erkenntnis. Ich münze sie hier auf gewisse Teile von Häupls Körper um.

27.08.2013

Praxis vs. Vassilakou

Die Praxis wehrt sich. Neues von der Mariahilferstraße.
Die Busfahrer wehren sich frechlich, indem sie eine Riesenschleife ohne Anhalten um die Mariahilferstraße machen. Sie wollen aufzeigen, wie umständlich die Politik der Stadträtin ist, und werden ihr – schönes, schlichtes – Ziel erreichen: eine Überquerung der Mariahilferstraße, kein Befahren mehr durch aus dem Süden kommende 13A-Busse.
Die Berufsradler wehren sich gelassen: konzentriert auf ihre Arbeit, wie ich dieser Anekdote des (einfach gestrickten) Herzogs/Greenbergs »theophrastus« entnehme:

»Gestern in der Fuzo...
.....gehe zum ersten Mal auf der Strasse, als mich fast ein Radbote niederfährt-der Kerl hatte gut 50 Sachen drauf und sagte weder muh noch mäh ehe er hurtigst entschwand. Daraufhin wurde ich aufmerksamer und es dauerte keine 7 Minuten, bis der nächste Raser daherrauschte-mit Helm, Sturmbrillen und einem Outfit, dass man Angst bekommt. Ich-nicht schüchtern-rufe ihm zu, dass da Schrittgeschwindigkeit gelte; er zeigt mit den Finger,dreht den Kopf zu mir und brüllt

„ . . . . . .  a b e r  n e t  f ü r  m i -  I  b i n  i m  D i e n s t ! “

- und weg war er. Tja, ich denke, dass man sich wohl sehr bald die Bosse der Fahrradbotendienste vorknöpfen wird müssen- die müssen ihren Leuten klarmachen, dass Raserei in der Mahü kein Kavaliersdelikt ist und sehr bald empfindlich Geld kosten wird.«


Ich verleihe dem Fahrradboten den Titel Kurier des Jahres 2013. Man soll ihm lebenslang seine Radverkehrsstrafen bezahlen. Man soll übrigens eine Fahrradstrafen-Versicherung gründen.
Dem Fußgänger und Tastaturhelden theophrastus wünsche ich, dass er seine brillante Aufmerksamkeit verlieren und ein bisschen schüchterner werden möge. Dann muss er sich über diese Schlimmheit da in der Welt keinen Kopf mehr zerbrechen!

24.08.2013

Radfahrgesetz

Zum Schutz der Schnelligkeit und Wendigkeit des Fahrrades:
als rechtlichen Beitrag zur Schaffung möglichst fließenden Stadtverkehrs:
zur Gewährleistung der freien Fortbewegung des selbstangetriebenen Bürgers:
stifte ich dieses Städtische Radfahrgesetz,
anwendbar als Bundes- oder Landesgesetz,
nebst Empfehlungen an eine wohlgewogene Regierung, die es, und weitere Maßnahmen, in Kraft setzen möchte.

§ 1
Es gilt die bestehende Straßenverkehrsordnung.
§ 2
Für den Verkehrsteilnehmer auf durch ihn selbst angetriebenen zwei oder drei Rädern gelten die in diesem Gesetz gewährleisteten Ausnahmen von dieser.
§ 3
Radfahrer müssen bei rotem Ampelsignal nicht zwingend halten. Sie dürfen rechts abbiegen, und sie dürfen nach wacher Beobachtung der momentanen Verkehrslage geradeaus weiterfahren oder links abbiegen.
§ 4
Bei rotem Ampellicht abbiegende oder weiterfahrende Radfahrer haben in jedem Fall Nachrang gegenüber Verkehrsteilnehmern, die grünen Signalen folgen, und haften bei Unfällen dementsprechend.
§ 5
Radfahrer haben ihre Geschwindigkeit bei rotem Ampellicht in jedem Fall zu senken, um die in § 3 dargelegte »wache Beobachtung« ausüben zu können.
§ 6
In Fußgängerzonen haben Radfahrer die Geschwindigkeit ihres Fortbewegens auf 25 km/h, und zwar nach eigenem Dafürhalten und ohne die zwingende Anwendung eines Tachometers, zu beschränken. Kontrollen der Polizei mit Radargeräten sollen allmähliche Gewöhnung sowie langfristiges Einhalten dieser Höchstgeschwindigkeit unter Radfahrern herbeiführen.
§ 7
Nach Übertretung der Geschwindigkeitsbeschränkung in Fußgängerzonen wird eine Geldstrafe von wenigstens 20 Euro auferlegt.
§ 8
Alle Geldstrafen, die Radfahrern auferlegt werden, werden in einen zu schaffenden Stadt-Radfahrfonds eingezahlt.
§ 9
Über die auf dem Gebiet des Radfahrens und öffentlichen Verkehrsraumes einzusetzenden Mittel des Stadt-Radfahrfonds entscheidet das Verkehrsamt der Stadt.
§ 10
Sämtliche nach Inkrafttreten dieses Gesetzes im städtischen Raum als öffentliche Verkehrsmittel eingesetzte Fahrzeuge für mehr als 20 Fahrgäste haben im Passagierraum oder an einer Außenseite des Fahrzeuges Platz und Sicherungsmittel zur Mitnahme eines Fahrrads zu schaffen.
§ 11
Die Anzahl der in oder an diesen Verkehrsmitteln transportierbaren Fahrräder hat wenigstens ein Zehntel der nominellen Fahrgastanzahl zu betragen.
§ 12
Radfahrer müssen nicht zwingend Helm oder sonstige Schutzmontur tragen. Doch aus Unfällen entstehende Entschädigungsforderungen sind von Beantragenden, Geforderten und Gerichten so zu behandeln, als ob in Straßenverkehrsordnung und Radfahrgesetz die Pflicht, wenigstens einen Helm zu tragen, vorgeschrieben wäre.
§ 13
Keine jegliche Befreiung von irgendeiner Steuerpflicht soll für Radfahrer in Kraft gesetzt werden.
§ 14
Radfahrer sind von der Vorschrift ausgenommen, dass bei Messungen höchstens 0,5 Promille der Fülle des Blutes eines Verkehrsteilnehmers Alkohol ausmachen dürfen, so sie bei einer Prüfung ihr allgemeines radfahrerisches Können, Fahrtüchtigkeit und Balancefähigkeit unter Beweis gestellt haben und zum Zeitpunkt der Alkoholmessung eine Beurkundung dieser Prüfung vorweisen können. Art der Prüfung und erstmaligen und gegebenenfalls zu erneuernden Beurkundung des Radfahrenkönnens eines Radfahrers sind vom Verkehrsamt zu bestimmen.
§ 15
In jedem Fall darf kein Radfahrer mit einer nachweisbaren Konzentration von mehr als 2,5 Promille Alkohol in seinem Blut ein Fahrrad besteigen.

Anmerkungen.
Der Radfahrer, die Radfahrer = Die Radfahrerin, die Radfahrerinnen.
Ausstattung eines Fahrrads: siehe die Straßenverkehrsordnung.
Aus Ungewissheit über die Gestaltung zukünftiger öffentlicher Verkehrsmittel wird kein Unterschied zwischen Sitzplatz und Stehplatz gemacht, die nominelle Fahrgastanzahl sei im Falle eines mit 20 Sitz- und 24 Stehplätzen ausgestatteten Busses: 24.
Die Vorschrift ist deutlich, und altmodisch, nach Art alter Gesetze: besteigen. Denn wer ein Rad besteigt, wird treten. Wer tritt, wird fallen. Der schwer Betrunkene fällt sehr früh.

Empfehlungen.
Keine Führerscheinpflicht für Radfahrer.
Hilfe bei der Finanzierung von Radfahrkursen in Volksschulen aus dem Radfahrfonds.
Prüfung des Könnens eines Radfahrers nach Einnahme von 1,5 lt Bier oder 0,75 lt Wein.
Bei Verhandlungen zur Kompromittierung vorliegenden Gesetzes »Rot-Regel« nicht fallenlassen, sondern in § 14 eingliedern.
Die Landesregierung der Stadt Wien möge dieses Gesetz anwenden;
Frau Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, Herr Bürgermeister Michael Häupl.
Herr Christoph Chorherr, dies Gesetz ist die Lösung des Problems, ohne eine radikale zu sein.