25.12.2016
Zwei Versionen eines Radfahrgedichts
22.06.2015
Pissoir-Tischchen
Manchmal tu ich es, in Hotels, eh schon: in teuren, die schlecht im Dienen sind. Es entschädigt mich; weniger aus Vor-Schadenfreude wie aus dem landläufigen obszönen amerikanischen Film bekannt, sondern aus Genuss. Diese Art des Pieselns wird wahrscheinlich sogar orthopädische und ergonomische Vorteile haben. Sauber ist sie auch: das sei dem Autoren des Buches Nudging geschrieben, der mit dem Stolz auf das Urinal-Insekt.
Damit wäre eine neue Kategorie des Kunsthandwerks eingeführt. Peniswasch-Wasserhähne würden die Fantasie der Handwerker, der Künstler, und des gemeinen, an competitions seine Beiträge sendenden Volks anregen.
Mir fällt zunächst einmal nur ein als Penis gearbeiteter, gewiss sehr langer, ein Penis-Ideal darstellender Wasserhahn ein. Wasserhahn würde er nicht heißen; Wasserspender wäre, als neutrale Bezeichnung, für den Übergang akzeptabel. Irgendwann müsste eine neue Gattungsbezeichnung her. Überpenis klänge gut, hätte aber irgendwie keinen Sinn. Pilatus wäre ebenso fehl am Platz, wäre als Markenname aber ein Hammer.
23.11.2014
Hear shit
I transformed the lyrics of Georg Kreisler’s song Entweder oder (Either, or) into English.
First I had to find a word that matched the recurring monosyllabic German shortened word for »something«, »was«, because »something« was too long for the meter. But was there an English word for that little »etwas« (»something«) that is just »was« (»some?« »thing?«)? And how could I represent the »wos« intonation of Kreisler’s dialect, that is beaming it into a similar let’s say nonchalant linguistic sphere?
As you can see down there, »shit« came in handy, the shit of »Bla bla bla and shit«-sentences. Predictably, one line in this English version now goes »...or I shit shit«.
It’s not the funniest one. There is no single funniest line. The verses reinforce one another, and they become this great song.
I changed the meaning of one verse though. In »...or I nosh shit«, I replaced »shit« with a pronoun to avoid repeating the song’s brilliant first line, »Either I eat shit« (for which I made a literal translation of »fressen« as »gulp« to allow readers to come up themselves with the obvious »eat shit« phrase fun in their brains.) But there is no audible difference between »nosh shit« and »nosh it« unless the singer makes an effort at over-pronouncing – »noSH SHit« – like when they sing a Schubert lied.
So when listened to, the complete translation is somewhat literal. Semantically, this one line does change Kreisler’s meaning. But I have no scruples about it because Kreisler’s original line is itself ambivalent. With »...vernasch was«, he could be seducing Candy or nibble at candy, or wasting too much money on both.
I’ll update this post with notes on some problems with intransitive verbs.
Now listen to »Entweder oder«
...that is: Georg Kreisler: Either, or
Either I gulp shit,
or I drink shit
or I have shit
or I buy shit
or I bear shit
or I smoke shit
or I steal shit
or I need shit
Or I seek shit
or I find shit
or I take shit
or I rack shit
or I hear shit
or I see shit
or I shit shit
or I reek shit
Or I read shit
or I write shit
or I quaff shit
or I puke shit
or I paste shit
or I build shit
or I play shit
or I slap shit
Or I sleep shit
or I dream shit
or I laugh shit
or fail shit
or I pay shit
or cash shit
or I get shit
or lose shit
Or I vote shit
or I drive shit
or I hope shit
or I was shit
or I smear shit
or I wash shit
or I learn shit
or nosh it
02.11.2014
Englische Komposita II
fistingarea
Gedankenbooster
water-cooler talk
active-shooter event
vacation destination
race-war revenge
research dead-end
price point
scale economies
landfall points
kickback gravy train
product development point of view
chef-caliber cooking
reflection questions
value add
source material
listener letters
purchase decision
smile-wrinkle
Jägerbomb
greenfield investment projects
use context
wriggle room
trouble spots
stream fatigue
attitude shift
information safety problems
night-time streets
Black Forest Bauernkind
tech big thinker
habitat loss
giggle incontinence
power-abuse scandal
the enlightenment idea
police gun experts
(out of) despot earshot
outreach sessions
the F1 Monaco grand prix
damage limitation
hospital-acquired infections
SeeChange
intrinsic value figure
after storm reaction
12.09.2014
Speak Lotus Magnétophone
12.05.2014
Metapher: flood of respect
03.05.2014
Zeichengedichte. I
04.03.2014
Notizen mit dem Fotoapparat
31.01.2014
27.07.2013
Die schmutzigen Böden Sions
Daher das mulmige Gefühl, mit dem man hier zu Tische sitzt: jeder Bissen ein schlechtes Gewissen.
Ein Wort zur Überschrift: Ich nenne China Sion durch Mischung des lateinischen Wortstammes sin, chinesisch, mit Zion, dem Hoffnungsbegriff einiger Juden und Negrosklaven für ihren jeweiligen Zukunftsstaat. SION als Klang, als Name für ein zukünftiges China, ein abermals in Wohlstand erstrahlendes, paradiesisches Reich, das die Mitte der Erde bildet, SION als Name für Xi Jinpings imaginierten Staat (bislang lediglich Chinese Dream genannt), ein großer Wurf. Wessen Ohren fangen ihn?
10.01.2013
Sonnenbaozerl
update. Es sind Shengjianbao, 生煎包, vorne stehen schon zwei Silben, deswegen wird hinten kein 子 mehr angehängt; alles oben Erdachte gilt nicht mehr.
03.06.2012
Die optimale Tweetlänge
(Jemand soll Barthes als den Vorläufer und als den Theoretiker des Tweetens würdigen.)
(Und man soll ein Twitter für Typen wie mich programmieren, die glauben, auf 287 Zeichen wären ihre Tweets viel besser.)
05.04.2012
Ölbergstunden
Ölbergstunden meines Lebens:
im düstern Schein
mutlosen Zagens
habt ihr mich oft geschaut.
Weinend rief ich: nie vergebens.
Mein junges Sein
hat müd des Klagens
dem Engel »Gnade« nur vertraut.
18.11.2010
Zwei gegensätzliche Radfahrgedichte
10.11.2009
Retro-Erbauungen 1
In diesem Beitrag gebe ich einen historischen Überblick über den Verfall des Lesens.
Das literarische Lesen gibt es, wenn es Schriftsteller gibt. Aber Schrift-Steller sind Poeten im Sinne Richard Rortys: Innovatoren des erbaulichen Lebens, Macher (poein) von Neuem, die nicht zwangsläufig auf Schrift angewiesen sind.
Sie brauchen die Schrift nicht mehr. Sie finden seit 200 Jahren im Sog der Techniker bessere Möglichkeiten, Erbauung zu produzieren. Sie haben je die ältere Technik der Erbauung gelernt, z.B. literarisches Lesen. Aber sie bringen diese Erbauung in neue Formen, und die Konsumenten dieser neuen Formen verlernen das Benutzen der alten (= literarisches Lesen).
Wer weiterhin auf das Benutzen der alten Formen besteht, muss zu Klassikern der Formen zurück, wenn er nicht den jeweils neueren Dadawahnsinn goutiert. Hingegen wer die neuen Formen (Film, Oper, Musical, Videospiel) genießt, wird in ihnen die großen Stoffe der Menschheit großartig neu aufbereitet finden. Die Neugier wird belohnt mit köstlichem Genuss.
Zum Beispiel war Stanley Kubrick ein guter Leser. Das Lesen von »Lolita« tat in ihm eine Zauberwelt auf. Er konnte diesen Eindruck nutzen und formen: Er verfilmte den Stoff. Man schaute »Lolita« und konnte Witz und Tragik des Textes von Vladimir Nabokov in gemütlichen zwei Stunden genießen. Ebenso verhält es sich mit einem aktuell gesehenen Poetenpaar: Zemeckis's »Christmas Carol« is better than Dickens's. And by the way, Zemeckis did the trick before: his »Forrest Gump« is better than Winston Groom's.
Ein zweites Beispiel zeigt diesen Vorgang noch ursprünglicher, und zwar durch Hinweis auf die Szenen, die Goethe schrieb, um die Kraft von Bildern darzustellen. Man findet welche in den »Wahlverwandtschaften« (tableaux vivants) und in »Wilhelm Meisters Wanderjahre« (Galerie). Goethe war fasziniert von der audiovisuellen, »lebendigen« Darstellung von Ideen. Goethe wäre heute ein Filmemacher.
Die Poeten verlassen die Schrift. Das Publikum zieht mit. Ein lesender »Potter«-Pöbel und nur wenige »good readers« bleiben zurück. Am literarischen Lesen setzt Verfall ein.
Philip Roth, einer der am meisten bewunderten Schriftsteller unserer Zeit, nennt Literatur ein »great lost human cause«; er erwartet das Ende des Verfalls in 20 bis 25 Jahren, wenn niemand mehr gute Romane lesen werde. Weisheit geht verloren, da niemand mehr sie zu entdecken, zu lesen imstande ist.
