Zusammenfassend zu dieser kleinen Serie kann ich sagen, dass Chinesen sich auf dem Rad auf a-professionelle, uneuropäische Art fortbewegen. Darunter ist zu verstehen: unergonomisch, Gelenke strapazierend, leistungsfeindlich, lethargisch, fließend, schwebend.
Es gibt im Westen kein chinesisches Radfahren. Das Freizeitradeln im Westen ist eine Synthese aus gemütlichem, mitunter chinesischem Radfahren, und dem professionellen Stil. Man wird im Gratismagazin velosophie Befürworter und Beschreiber eines gemütlichen Dahintrudelns finden, aber kein Plädoyer niedriggeschraubter Sättel. Man hat im Westen zu viel Profitradition, zu viel Technologie eingeatmet; man würde sich verstellen, würde man »chinesisch« radfahren.
Man müsste wider besseres Wissen den Sattel unausgefahren lassen, müsste O-beinig mit den Fersen anstatt mit dem vorderen Fuß Druck auf das Pedal ausüben, und müsste gegenüber Platten, verbogenen Speichen, gegenüber Überlegungen der Sicherheit (Licht, Helm) eine Ignoranz ausüben, die bereits eine Dummheit wäre.
Und so schwingt man sich auf gut hergerichtete (»servicierte«), gut bremsbare, nicht quietschende, passend eingestellte Räder, trägt einen Helm – und kann gar nicht chinesisch Radfahren.
Die Chinesen selbst werden das chinesische Radfahren »verlernen« und »aus ihm herauswachsen«. Ein Indiz dafür ist im Film Beijing Bicycle zu finden: Der Schüler Jian, der Radfahren liebt und gerne herumtrickst, hat in seinem Zimmer Poster von Profi-Rennradfahrern hängen. Vielleicht eine unglaubwürdige Requisite, denn Jian kauft sich ein Citybike und will eher tricksen als rennfahren.
Aber irgendwie ist dieses Poster nun einmal in den Film gelangt. Irgendwer hat – wohl unbewusst – gewusst, was es auszudrücken hat:
In dem Poster ist das chinesische Streben nach dem westlichen Leben verborgen; das Ideal einer modernen kapitalistischen Gesellschaft, die als Transportmittel motorisch betriebene Wägen verwendet und das Rad einer gezüchteten Klasse von Rennfahrern überlässt.
Wenn wir uns nach einem chinesischen Radfahren sehnen, wünschen wir das Gegenteil.