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07.08.2017

Dass man Schwarzenegger den Amerikaner feiere


Neulich war eine Veranstaltung mit GRATIS KAFFEE inseriert, bei der man „DEN GRÖSSTEN ÖSTERREICHER ALLER ZEITEN!“ „feiern“ konnte: Arnold Schwarzenegger im Arnold Schwarzenegger Museum. Dazu fiel dem intelligenten Menschen ein:
1. Aussage Falcos: Schwarzenegger ein Amerikaner.
2. Dass Schwarzeneggers Name nicht mehr für ein Stadion in Graz verwendet werden darf, weil Schwarzenegger staatliche Hinrichtungen während seines Gouvernats zuließ.
3. Dass die Denkfigur „aller Zeiten“ einmal kühl als „eklektische, sehr perspektivische Beurteilung“ beiseite gelassen werden sollte.
4. Aussage Newt Gingrichs: “his country was too small,....”
5. Dass Martin Shkreli Sohn von Albanern ist; Hitler Sohn eines Oberösterreichers; John F. Kennedy Enkelsohn von Iren; Mozart Sohn eines Salzburgers; Beethoven eines Bonners; Kreisky Sohn von Juden, Bernie Sanders Sohn von Juden; Obama Sohn eines Muslims; Steve Jobs Sohn eines Syrers und Adoptivsohn eines Amerikaners; Jeff Bezos Sohn eines Amerikaners und Adoptivsohn eines Kubaners: und dass Schwarzeneggers Eltern unter diesen Leuten in die Kategorie Hitler-Obama-Jobs-Bezos-Abwesenheitseltern fallen.
8. Dass Österreicher Amerika und den Amerikaner Schwarzenegger, und den Amerikaner in Schwarzenegger feiern sollten, und lieber nach Amerika und zu Schwarzenegger fahren, und nicht Schwarzenegger nach Österreich fahren sollte, und dass er NICHT Österreicher ist, und folgerichtig nicht der GRÖSSTE sein wird können, nicht ein Österreicher IST, sondern WAR, sich erlöst und es geschafft hat, NICHT Österreicher zu sein, NICHT in Österreich zu leben, NICHT hier zu sterben....dass in Thal sein Museum, nicht sein Grab is, in Graz ein Stadion, das nach ihm….hieß!!!!

21.10.2014

Nach der Verzonung

Im Spectrum Herr Pirhofer zur Mariahilfer Straße, nunmehr FUZO Mahü:

Ästhetisch gelungen, da gekonnt gepflastert, bisweilen Stimmungen wie von einem »Mosaik aus dem Süden« erzeugend. Augenschein und die noch vom Saume der Ewigkeit auf die neue Gasse herabzutropfende Zeit werden ihm sicher recht geben.

Geschichtlich betrachtet ist die Zone ein Sieg der Abgrenzung eines Systems der Relaxationsbedürftigen, hervorgebracht durch niemals schrumpfende Individualisierung, die ihr Recht auf den freien Kreis für alle Bürger beansprucht. Wir alle sind Archimedes und müssen nicht einmal zeichnen können. Folge: Ekel vor der aufgezwungenen Apotheose des »Flanierens« und a-priori Hier bin ich Mensch hier darf ich’s sein-Seins (statt eines plötzlich oder zumindest saisonal festgestellen, entdeckten).
Pirhofer bemerkt den »Schwachpunkt [], dass man in der FUZO nicht liegen darf«, womit er eher die Regeln dieser Zone beschreibt als eine herauszufordernde Zukunft evoziert. Ich hoffe, es werden neue Übermenschen dieser Zone hervorkommen, die sehr wohl sich niederlegen; auf vorhandenen Sitzmöglichkeiten, auf mitgebrachten Decken und aufklappbaren Liegestühlen. Die Komfortzone ist zu beleben, es heißt radikal zu ruhen.
Ich werde der Zone in Zukunft tunlichst fernbleiben. Ich liebte die Mariahilfer Straße – ich schlenderte mit dem Auto über sie (wenn diese Wendung sag- und verstehbar ist), spazierte über sie, rannte über sie mich wundernd, weshalb sie gerade in Stressmomenten sich ausstreckte, sauste mit dem Rad durch Verkehrslücken die sich schlossen und Zeitlücken (Ampelrot), die ich aufstieß.
Und einmal, während einer der Versuchs-FUZOs an manchen Samstagen und zu »Mariä Empfängnis«, um das Jahr 2005, zerstritt ich mich mit meiner Freundin, weil ich ihr nicht auf die Straße folgte, sondern mich auf dem Gehsteig hielt wie ein Verklemmter.

27.08.2013

Praxis vs. Vassilakou

Die Praxis wehrt sich. Neues von der Mariahilferstraße.
Die Busfahrer wehren sich frechlich, indem sie eine Riesenschleife ohne Anhalten um die Mariahilferstraße machen. Sie wollen aufzeigen, wie umständlich die Politik der Stadträtin ist, und werden ihr – schönes, schlichtes – Ziel erreichen: eine Überquerung der Mariahilferstraße, kein Befahren mehr durch aus dem Süden kommende 13A-Busse.
Die Berufsradler wehren sich gelassen: konzentriert auf ihre Arbeit, wie ich dieser Anekdote des (einfach gestrickten) Herzogs/Greenbergs »theophrastus« entnehme:

»Gestern in der Fuzo...
.....gehe zum ersten Mal auf der Strasse, als mich fast ein Radbote niederfährt-der Kerl hatte gut 50 Sachen drauf und sagte weder muh noch mäh ehe er hurtigst entschwand. Daraufhin wurde ich aufmerksamer und es dauerte keine 7 Minuten, bis der nächste Raser daherrauschte-mit Helm, Sturmbrillen und einem Outfit, dass man Angst bekommt. Ich-nicht schüchtern-rufe ihm zu, dass da Schrittgeschwindigkeit gelte; er zeigt mit den Finger,dreht den Kopf zu mir und brüllt

„ . . . . . .  a b e r  n e t  f ü r  m i -  I  b i n  i m  D i e n s t ! “

- und weg war er. Tja, ich denke, dass man sich wohl sehr bald die Bosse der Fahrradbotendienste vorknöpfen wird müssen- die müssen ihren Leuten klarmachen, dass Raserei in der Mahü kein Kavaliersdelikt ist und sehr bald empfindlich Geld kosten wird.«


Ich verleihe dem Fahrradboten den Titel Kurier des Jahres 2013. Man soll ihm lebenslang seine Radverkehrsstrafen bezahlen. Man soll übrigens eine Fahrradstrafen-Versicherung gründen.
Dem Fußgänger und Tastaturhelden theophrastus wünsche ich, dass er seine brillante Aufmerksamkeit verlieren und ein bisschen schüchterner werden möge. Dann muss er sich über diese Schlimmheit da in der Welt keinen Kopf mehr zerbrechen!

09.07.2013

Venedig geht unter

Die Lektüre zum Gesang von Nino aus Wien: Peter Sloterdijk:
Nicht oft genug kann man nach Venedig fahren, wenn man wissen will, was Italien und Europa bevorsteht. Die Stadt verkörpert die Lektion, daß langsame Dekadenz das größte Privileg ist. Falls Dekadenzbeschleuniger auftreten, Berlusconi ist ein solcher, wird der sanfte Abstieg zum Sturz. Es könnte passieren, daß vom schönen Italien in Kürze nicht mehr übrigbleibt als von Ägypten nach dem Erlöschen der Pharaonen und ihrer stillosen Erben, eine entgeisterte Biomasse, in der es spukt, ohne daß aus dem gelegentlichen Aufflackern von fahler Energie ein neues Leben entsteht. Dann würden auch hier irgendwelche bösen toten Seelen Reisebusse in die Luft sprengen und letzte Touristen liquidieren, im Namen einer Wut, die sich selbst nicht versteht. Noch fünf Jahre Berlusconi, und dieses Land bringt nichts mehr jenseits von Ejakulationen und Verdauungsgeräuschen zustande.
Zeilen und Tage, Notizen 2008-2011, Berlin: Suhrkamp 2012, S. 294 (datiert 20.9.2009)

16.04.2013

Büro im Erdgeschoß

Vielleicht stößt jemand auf diesen Blog, der nach »Büro im Erdgeschoß« sucht. Eher nicht. Kleine Geschäftslokale bleiben jetzt sehr lange Zeit leer. Naja Architekten sieht man oft in einem Erdgeschoßbüro. Der Hauptsitz meiner Firma ist in einem Erdgeschoßbüro angesiedelt.

Büros im Erdgeschoß entsprechen den »chinesischen Romanen« aus früher Zeit, von denen Goethe Eckermann vorschwärmte: man sieht hinaus, und ein Vogel hebt ab, oder eine schöne Frau geht vorbei, oder ein Greis stürzt, es tut sich was, der abschweifende Blick bleibt unschuldig.