02.10.2010

Häupl passt mir nicht

Den Kopf dieses Eintrages wird einstmals, kurz vor der Wiener Gemeinderats- und Landtagswahl am 10. X. 2010, ein Foto zieren, auf dem ich, Autor dieses Blogs, auf der Friedensbrücke zu sehen bin; ein attraktiver 24-jähriger Blonder mit blaugrün glücklich funkelnden Augen; ein rotes, übergroßes T-Shirt tragend; mit übergroß meine ich Michael-Häupl-sized, XXXXL; und mit Friedensbrücke meine ich die renovierte Friedensbrücke, auf deren Südstirn ein neues, hohes, hässliches Geländer montiert wurde und auf deren Nordkante sogar ein noch höheres, hässlicheres Geländer prangt; – und auf dem T-Shirt wird stehen, in weiß, der Schriftzug: HÄUPL PASST MIR NICHT!

Warum dieser Protest?
Häupl passt mir nämlich nicht nicht. Häupl »an sich« passt mir – ich mag ihn als blaaadn, gscheadn Weintrinker, der zwei Mal den Mann ohne Eigenschaften gelesen hat.*
Mir passt nicht, dass bislang keine Partei und kein Mensch dieses oben beschriebene Leiberl produziert hat, obwohl es ja irgendwie aufgelegt ist.
Die ÖVP, solche Unoriginalos! – Bewerben den Häupl mit dem schönsten Foto ever taken of him (darüber gibt es schon einen Diskurs, z.B. Jeannée) und sagen »frischer Wind«, aber das sagen sie nur. Sie blasen ihm keinen.

Und so muss man selber auf das politische Feld gehen. Ich werde es tun.
Denn irgendwie passt mir Häupl eh nicht. Was auch der Hintergrund des Fotos ist. Das neue Geländer der Friedensbrücke ist eine lächerliche Kreation. In diesem Video ein Vorgeschmack auf das Südgeländer; auf dem zukünftigen Foto dann der blonde Blogger im roten Protestdress vor dem horriblen Nordgeländer. Diesen Umbau hätte die Politik verhindern müssen.
Der Bürgermeister hätte mit seinen Häuplfingern den Stadtbau-Verantwortlichen eine Watsche geben müssen (nicht erschrecken, Leser; denn in Sitzungen sind Politiker wie Häupl und Pröll nun einmal brutal und ihr Umfeld ist ihre Watschen gewohnt) und sagen müssen: »Des moch ma ned, med so an Schas va-ärgerst** nua de Leid!« Er hat es nicht getan. Daher passt er mir nicht.

Aber nichts für ungut, Michl – ich kann Sie eh nicht nichtwählen, Wien ist mein Zweitwohnsitz.

* Das mit dem Mann ohne Eigenschaften ist so eine Sache. Ich glaube, Häupl hat ihn nur einmal gelesen, aber damit man ihm das glaube, sagt er, er habe es zwei Mal getan.
Eine andere Möglichkeit, die Bewältigung dieses Buches zu beweisen, ohne gleich Mehrfachlektüre (oder es als »Hobby«) anzugeben, ist übrigens: in jungen Jahren lesen und staatlich beglaubigt darüber reden, z.B. bei der Matura. Hat ein Studienkollege von mir gemacht.

** Eine Anmerkung für Dialektforschungsamateure. Ein älterer Wiener hätte gesagt: »varrärgerst«. Dieses schöne Binde-rr ist aber passé, man hört es nur noch in Wohnungen mit ranzigen Tapeten und im Film Muttertag (als ins Nichts führendes, pseudo-Binde-rr: »Au Wehh, meine Kniarr!«).