08.02.2014

Schreib auf:

Petra Kronbergers Falter-Interview in dem sie von verletzter Menschenwürde (und nicht -recht) spricht. Das Mädchen das von dem geretteten Schulheft schreibt.
Erzählung des Freundes M.: Und dann sind sie wieder zusammengekommen, dann haben sie sich zuhause mit einem freund getroffen, dann ist er müde worden und schlafen gegangen, dann noch einmal munter worden, runter gegangen und sieht wie seine alte mit dem freunde schnackselt.
in zwei wochen versöhnungsurlaub.
obszönität der schwester und des sittenlosen (weil er ihr den salat vom teller nimmt) typen der die fantasie ausspricht:
das is kein salsa das is ein porno.
mutter wirft tochter naivität vor: dass die mädchen als techtelmechtel suchen muss man dir immer noch sagen?!
früheres techtelmechtel des freundes: sie: sms, lust, fragezeichen, i 18 uhr 15 sportplatz reservekabine, troffen, aufgesperrt, budert, duscht, heimgefahren.

31.01.2014

Dreadlocks:

Lodenhaar.

27.01.2014

Space is the place

heißt da wohl „in der welt“ statt außerhalb von ihr.

01.01.2014

Patois

Werbeplakate in der Gebietssprache. »Söba denkn, söba mochn, söba tuan.« Warum nicht söwa und dengn oder gar deingn und duan. Weil Wien als Hauptstadt eine Meta-Dialektalphabetisierung verwenden muss, lässt das Schriftbild der Hochsprache nie ganz hinter sich. Auflachen beim Wort »anders«: sie schreiben onders; wie von einem Ausländer gesprochen.
Lebenshilfe Wien. Befremdlicher Kontrast des Dialektzitats der im Rollstuhl Sitzenden und des Werbespruchzusatzes in Hochsprache: »Das ist Inklusive.« Die Behinderten sprechen Patois.

31.12.2013

Der Architekt des Dönerparks

Erfuhr, dass der Architekt des Dönerparks im niederösterreichischen Neunkirchen kein Türke, sondern ein Österreicher ist, der ein Gutteil seiner Zeit im warmen Südafrika verbringt, was der passable Wohlstand ihm ermöglicht, den er sich mit seinen pragmatischen Bauten erworben hat. Privat beneidenswert, öffentlich ein Ärgernis: die Gebietseliten Österreichs zeichnen für allerlei städtebauliches Mittelmaß verantwortlich, müssen sich aber nicht verantworten, da das Publikum ästhetisch gleichgültig ist und sie selber einander bloß in ihren privaten Domizilen Geschmack zu zeigen haben.

30.12.2013

Zeitgeber

Im Englischen das Lehnwort zeitgeber zu verwenden ist unnötig, da es ganz einfach als timegiver übersetz- und im Sprechen anwendbar wäre. Dass dennoch zeitgeber sich durchgesetzt hat, könnte diese Gründe haben: die wissenschaftliche Gemeinschaft wollte dem deutschen Chronobiologen, der das Wort geschöpft hat, Tribut zollen; timegiver klang englischsprachigen Forschern suspekt; die weltweite Forschungsgemeinschaft spricht gerne vom selben, wenn es Phänomene bespricht, und in diesem Fall konnte dies nur durch Besprechung eines und desselben Wortes gewährleistet sein: zeitgeber.
In der allgemeinen Menschenkultur wäre das Wort Zeitgeber auch verwendbar. Die Deutsche, die neulich in der New York Times das Wort »Zeitgenosse« in die englische Wortschatztruhe hineingeben wollte, könnte sich darüber Gedanken machen. In der Chronobiologie ist ein »zeitgeber« ein Signal aus der Umwelt, das die biologische Uhr des menschlichen Bewusstseins auf seine Umwelt abstimmt; Licht, Geräusche, Düfte (Morgenkaffee z.B.)

23.12.2013

In der früh

Im bahnhof ternitz alte leute die die geschenkten zeitungen lesen (österreich, heute), zeitung lesende leute ungewohnter anblick, von wo ich gerade herkomme das bild der pensionierten und der portiere mit zeitungen im kopf, naja kommt hin.

01.12.2013

Wunsch zum ersten Adventsonntag

Das andauernde Interesse an deutschen Komposita. Dass eine Deutsche in der New York Times keck dem englischen Sprachwortschatz vorschlägt, doch bitte das bedeutsame Wort »Zeitgenosse« aufzunehmen und »contemporary« zu vergessen.
Veröffentlichung der Sammlung neuerfundener Komposita Ben Schotts (inkl. »Frohsinnsfaschismus«). Der Wunsch des Rezensenten in der Presse nach einer »Normalsprachgebrauchsübernahme« einiger Wörter Schotts.

Untersucht auch jemand die schleichende Verkompositierung im (muttersprachlichen) Englischen? Die US-Amerikaner z.B. haben längst das Wörtchen »of« fallengelassen und sprechen und schreiben ohne jeden deutschen Kompositumsneuerfindungsstolz Komposita. Sie denken, sprechen und hören Komposita in, behaupte ich, der gleichen Art wie muttersprachlich deutsch Sprechende; nur schreiben sie sie als getrennte Wörter auf. Der Unterschied, der aus deutschen Komposita langsam einen Fetisch werden lässt.
James Dimon, der Chef der Bank JP Morgan Chase, kann in einer Nachricht an eine Kollegin locker mit einem Kompositum einen Sachverhalt beschreiben und gleichzeitig auf ihn verweisen, während ein deutscher Großbankchef (sofern ein solcher überhaupt noch auf Deutsch korrespondiert) wohl kaum – vor lauter Scheu? Hochachtung? vor Komposita – ein Kompositum einsetzen würde. (Stimmt das?)
Dimons E-Mail:
“Ok. send me some info. Also how does it relat (sic) or not to our wind down credit exotics book?”

In meiner Kindheit haben die Leute um mich herum immer Adventsonntag und Adventkalender gesagt, nie das s eingeschoben. In den letzten Jahren habe ich viele Leute getroffen, die Adventskalender sagen. Mich überkam jedesmal ein Schauder der Fremdheit.

Heute ist der 1. Adventsonntag. Ich habe Kollegen vom Flughafen in Shanghai abgeholt. Die nächsten Tage werden wie die vorangegangenen sein: beschäftigungsvoll. Ich wünsche mir mehr Beschäftigungslosigkeitsstunden.

24.11.2013

Beruf: Dichter

In einem Macauer Casino arbeitet ein Dichter für die v.i. Gäste.

04.11.2013

Döner-Touchscreen-Panorama

Die niederösterreichische Kleinstadt Neunkirchen ist von den Erhebungen der Voralpen umgeben. Ein kleines Einkaufszentrum nahe der historischen Innenstadt wird, zur Huldigung dieser Berge, »Panoramapark« genannt: es ist als U gebaut, aus dem der Blick in ihre Richtung geht.
Der Blick endet aber an Häusern umliegender Siedlungen. Das Bergpanorama ist in echt nicht zu sehen. Statt ihm wurde auf Traufehöhe des U-förmigen Gebäudekomplexes ein (Panorama!)-Foto angebracht. Hier eine Ansicht aus der Nevilliergasse.












Dieser typische Kleinklotz von Einkaufszentrum fällt in den alten Gassen Neunkirchens auf, die über die Jahrhunderte so geworden sind, wie sie nun stehen, und eine passable Innenstadt ausmachen. Logos und Schriftzüge finden sich da in den Mauerputz eingesenkt oder als Eisengestell; Überbleibsel aus einer Zeit, da Logos dreidimensional hergestellt wurden, und nicht nur von einem Grafikdesigner in zwei Dimensionen ausgelegt.
Das handwerkliche Manko wird durch Aufblasen der Buchstaben und der Leuchtdichte wettgemacht. Bis in die Hinterhöfe leuchtet nun: Lichtverschmutzung.











Von Norden angenähert, erblickt man die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Das Panoramafoto wird sich wohl nie in diese Gegend einschließen und stimmig dazugehören, wie die gotischen und barocken Umbauten der ursprünglich romanischen Kirche; oder wie z.B. der abstrakte Soravia-Flügel, der vor dem Museum Albertina prangt; sondern eher unpassend bleiben.
Es gibt eine banale Einsicht aus der Gastronomie hier neu zu entdecken: photographische Darstellungen und Materialien halten in Außenarchitektur schlecht und patinieren erbärmlich, würdelos. Die »Panoramapark«-Designer müssen Türken sein, die mit der Speisekartengestaltung von Döner-Kebapläden groß geworden sind.











Jemand hätte ihnen sagen sollen: »Ich glaube, das Markenpanorama klebt da wie ein riesiger Taps-Schirm, die Anzeige auf einem Tabletcomputer, das Foto wirkt wie ein präinstallierter Bildschirmhintergrund. Oder ein Riese aus einer anderen Welt hat einen riesigen Flyer zerrissen und diesen Schnipsel weggeworfen; der Schnipsel setzte in Neunkirchen auf.
Bei der Gestaltung dieser Bande seid ihr dem Trugschluss aufgesessen, dass ein beruhigendes Naturfoto als Hintergrund für ein ansprechendes Logo sorgt und Marken für ansprechendes Design. Grafik ist nicht Architektur.«