05.12.2012

Wer wird Bürgermeisterin

Vor kurzem schlug Michael Bloomberg Hillary Clinton vor, sie möge Bürgermeisterin der Stadt New York werden. Sie lehnte ab. Das muss Christine Quinn geärgert haben, da sie sich als eigentliche Vorliebe Bloombergs für das Amt darstellt und nun ans Licht kommt: Bloomberg will Hillary. Ich würde Hillary auch bevorzugen, ich fand vor einigen Wochen die Fotostrecke aus Christine Quinns und deren Lebenspartnerin Wohnung so verstörend, ich sah ihr Nachtkästchen, ein viel zu intimer Einblick. Bloomberg in seinem Wohnzimmer in seinem Stadthaus sitzend mit offiziös wirkenden Sitzmöbeln ganz was Anderes als dieses farbige Nachtkästchen.

04.09.2012

Giftzwergprosa

In der SonntagsFAZ wurde die Rezensionssperre gebrochen, die einzuhalten Rainald Goetz die Kritiker während eines Treffens im Suhrkamp Verlag gebeten hatte. Der Kritiker ärgert sich über Goetz' »Giftzwergprosa«, findet dass Goetz selbstgerecht und mitgefühllos sei, und kann einzig ein paar Stellen auflisten, die ihm inmitten eines ansonsten »kalten, schrecklichen« Buches gefielen.
Wenn ich das Buch in ein paar Tagen selber lesen kann, wird also zu untersuchen sein, ob dieser solide bürgerliche Rezensent recht hat, der Goetz quasi fehlende Originalität vorwirft, oder ob Goetz ein Meisterwerk in der Manier Thomas Bernhards, eines seiner Vorbilder, gelungen ist.


26.06.2012

Verpflichtende Nierenkrawatten

In Schuhgeschäften, wo sie sich besonders oft nach unten beugen, sollen Frauen Nierenkrawatten tragen: ein Stück Stoff, das die zum Vorschein kommende Haut über dem Gesäß bedeckt.
Bei Frauen der unteren Klasse wird einem so der Anblick des Arschgeweihs erspart. Bei fetten Frauen bleibt einem Schweißgeruch erspart. Und bei schönen Frauen muss man sich nicht ärgern, dass man momentan nicht Sex mit ihnen haben kann. Wenn man momentan keinen Sex mit ihnen haben kann.
Man soll Nierenkrawatten den Frauen anlegen, wenn sie das Geschäft betreten, so wie einst schlampig gekleidete Männer in bestimmten Restaurants einen Schlips verordnet bekamen.

21.06.2012

Der unendliche Abend

Das Sonnenglühen hängt hinter dem Westbahnhof. Das Licht wird heller. Kehrt die Sonne um?

14.06.2012

11.06.2012

Die Uhrzeit. sponsored by

DDMG medienwappler

(beitrag folgt, bin unterwegs, die wischtexttechnologie erlaubt noch nicht so ein schnelles schreiben wie ich es brauche)

06.06.2012

McSautrog

In den letzten zwei Wochen habe ich drei McFlurrys in drei verschiedenen Mecchis bestellt. Kein einziges Mal wurde er gedreht. Heute überwand ich mich und ließ den Becher mit den reingeworfenen Rohzutaten stehen – »bitte drehen!« Worauf der Kellner mich verspottete. »Ich kann ganz weich machen, mit Milch!«, wie ein verdutzter Bauer, der von der Gourmet-Sau daran erinnert wird, er möge den Trog recht appetitlich befüllen.
Unterschied: das Wesen des McFlurry ist das Drehen, Maschine Löffel und Becher wurden eigens zu diesem Zweck entwickelt. Daher blieb ich störrisch. »Bitte drehen!« – störrisch wie der Attentäter in meiner wunderbaren Kurzgeschichte »Steuern runter!«

05.06.2012

Blur predigen, Oasis hören

Peinlich, mir geht gerade die refrainmelodie von „stand by me“ nicht aus dem kopf, dabei kann ich die musik und die band nicht gut leiden.

04.06.2012

Urban stretch, rural relief

Voriges Jahr habe ich aus Spaß einen jener möchtegern-tiefsinnigen Werbetexte geschrieben, die einem Industrieerzeugnis Sinn und einen geschichtlichen Ursprung verleihen sollen. Es geht um die neue Produktreihe eines Unternehmen, das Garne herstellt.

Although by no means a metropolis, Weimar acquired all the structural features of a modern city when Goethe served there as minister for the dukedom. He experienced power struggle, deficits, and urban development. Striving for time to write, like Kafka would be 100 years afterwords, Goethe decided to resign. After ten years of hard work as secretary for infrastructure and defence, taking his what would nowadays be called »genius hour« (or, at Google, plain »free time«) was not enough. He fled to Italy and spent two years there. He now could enjoy in space what had entertained him, in the form of an education in Latin and Greek, since the age of 6. He equipped himself with impressions, feelings and knowledge that would serve him as a life time storage for the works to come – among them the staple of world literature, »Faust«. As an old man, he still wished to continue his work, and be reborn into a new body. Goethe's journey through Italy is one of the most prolific time-outs in history.

As Hans Magnus Enzensberger, a writer, once described the German-speaking chattering classes, »Goethe is everybody’s grocery store, everybody can take out of him what is pleasant for the moment.« We too are taking his as a ready-made functional tale.
But we see in Goethes life and experiences so much forebodings of ours, we must admit we cannot ignore him. With his proclamation of »how happy he is that he is away« in his bestseller »Werther’s Sorrows« and his description of the everlasting human efforts to expand our world into space in his posthumous »Faust II«, he reminds us that human life unalterably consists of expansion and shrinking, of industrious caring for things and of carelessly, even recklessly escaping them.
We at *** call these forms »urban stretch« and »rural relief«. We created two new types of yarns for these occasions. We aim to contribute to the best fabrics for people, who by being human must go from »stretch to relief, and from relief to stretch«, or, in Goethes terms obviously, from heaven through earth to hell, and then back upward to heaven.
Like Goethe, who cherished his best suits all the time, anybody wearing fabrics of *** yarns will like them for being a reliant, always functioning, always pleasing mate.

03.06.2012

Die optimale Tweetlänge

beträgt für mich 287 Zeichen. (Ich zählte in Roland Barthes' »Begebenheiten« die Zeichenanzahl der zwei kürzesten und längsten sowie zweier medianisch wirkender Notizen und ermittelte den Durchschnitt. Eine deutlich überlange Notiz blieb unberücksichtigt.)
(Jemand soll Barthes als den Vorläufer und als den Theoretiker des Tweetens würdigen.)
(Und man soll ein Twitter für Typen wie mich programmieren, die glauben, auf 287 Zeichen wären ihre Tweets viel besser.)