Er schuf ein Einkaufszentrum in der Stadt statt draußen,
gab reichlich Stoff den Boulevardzeitungen seiner Zeit, setzte super
Öffnungszeiten gegen die Trägheit seiner Landsleute durch, und wie ich neulich
sah, ist die Lugner City auch auf dem Dach, und im bekannten, allmählich klassischen Schriftzug, gekennzeichnet:
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07.08.2017
17.04.2017
Isn’t it time for German linguistics?
Der VW-Designchef Klaus Bischoff weiß alles, nur nicht, wie man seine nächste Luxuslimousine Arteon ausspricht.
Wenn die andere Zukunftshoffnung Volkswagens auf den Markt kommt, I.D. Buzz, können wir dann getrost vom Idee Butz sprechen statt vom Ai. Di. Bass.
Wenn die andere Zukunftshoffnung Volkswagens auf den Markt kommt, I.D. Buzz, können wir dann getrost vom Idee Butz sprechen statt vom Ai. Di. Bass.
13.08.2014
Vergangenheit und Karriere
Von den Richtersprüchen von Luxemburg und Hongkong halte ich nichts, da sie der Menschenrechtsrhetorik Tür und Tor öffnen. Aber die prädigitale Zeit war sicher für Karrieremöglichkeiten des Einzelnen üppiger im Angebot, und der Abwehr des avantgardistischen Giganten Google bin ich daher eher wohlgesonnen. Früher konnte man fliehen und war anderswo ein Niemand. Zuversichtlich. Vorwärtsblickend. Heute? Wohin man auch flieht, Mark Zuckerberg bittet darum, man möge seinen richtigen Namen verwenden.
Malcolm Gladwell streift das Thema in seiner Gegenüberstellung der Karrieremöglichkeiten von Mafiosi und jugendlichen Schwarzen im zeitgenössischen Staate USA (wohlgemerkt: der Eine Staat, die Eine Republik USA, in der scheinbar die interstaatliche Flucht auch nicht mehr aus dem Schlamassel führt). Entgegen der Moral der Geschichte im Roman und Film vom Paten und seiner Familie, die nie habe dem Verbrechen entkommen können, seien Mafiosi am Ende in der oberen Gesellschaft angekommen. Aus afroamerikanischen Kleinkriminellenmilieus hingegen gäbe es keinen Ausweg.
Man kann Gladwells Argumentation folgen, sollte ihre Düsterkeit aber noch erweitern: 1. mit dem Hinweis auf das geschichtliche Bewusstsein der beiden Ethnien. Italiener hatten die moderne Welt aus der Erinnerung an die Antike erfunden. So elend Süditalien gewesen sein mochte, als so unterschiedliche Figuren wie der geniale Schuhmacher Salvatore Ferragamo und die von Gladwell geschilderte Mobfigur Giuseppe ihm den Rücken kehrten, der Rassenstolz kam mit in die neue Welt. In einer schauderhaft guten Szene der Sopranos fragt ein orthodoxer Jude, wo denn heute die Römer seien, denen sein Volk in der Festung Masada sich nicht beugte; Tony Soprano: Sie stehen vor dir...
Ein Afroamerikaner hingegen, der irgendwann in seinem Leben durch einen Ausrutscher zum Grübeln gebracht wird, dem steht als historische Referenz wenig Erbauliches (in unserem Denkhorizont mögliches Erbauliches) bereit und der mag mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der der Italogangster, latent oder manifest, sich für einen coolen Caesar hält, sich lediglich einen armen Sklaven dünken. Der Italogangster kann erobern; der Schwarze nur den Aufstand proben.
2. waren der Beginn des 20. Jahrhunderts und die 1950er Aufbaujahre. Als sie stattfanden, mussten die Schwarzen sich noch mit Emanzipation beschäftigen. Was sie dann später, in den 1980ern und 1990ern, zum Volksbewusstsein Amerikas beitrugen, Gangsterrap, brachte den Gangsterrappern legitimes Blingbling ein, aber vielen schwarzen Amerikanern war er eine unselige Einzementierung. Wie schwer aus dieser herauszukommen ist, schildert Gladwells Artikel: kriminelle Milieus werden stärker bewacht als früher, von einer Polizei, die extrem viele routinemäßige Untersuchungen durchführt. Heranwachsende Kinder verinnerlichen dadurch die Rolle des generalverdächtigen Angehaltenen, der die Hände in vorauseilendem Gehorsam hinter dem Rücken verschränkt und den Handschellen anbietet.
3. blicken wir eben auf die (relativ!) geglückten Mafiosikarrieren z u r ü c k ; ewig tolpatschig im Crime gefangene Niggaz hingegen erfahren wir als Gegebenes unserer Zeit, und diese ist, wie Hans Ulrich Gumbrecht immer schreibt, gekennzeichnet durch eine fliehende Gegenwärtigkeit, drückende Vergangenheit, und fehlende vielfache Zukunftstüren.
Aber das ist alles schon Tausendmal gesagt. Uns tut not, das Gesagte zu vergessen. Google, ich hab eine Idee für ein Produkt. Es heißt Tabula Rasa. Man schreibt eine Suchanfrage, und nichts erscheint.
Nachwort.
Neben der verwelkenden Kultur blüht ja immer jene frische Kultur auf, die sich an nichts erinnert, und einzig ihrem Instinkt folgt: Wachse! Das mafiosogünstigste Klima, mit Ausblick auf spätere Legitimierung, herrscht heute wahrscheinlich in der Volksrepublik China. Google Search ist von dort verscheucht worden; und chinesische Fabriksvertreter treten gegenüber ihrer nicht-chinesischen Außenwelt gerne mit Decknamen auf. Einer meiner Lieferanten hieß früher Alex, dann baute er Mist, wechselte die Branche, und verkauft jetzt unter dem Namen Frank. Diese Möglichkeit steht auch Smile, Champion, Rabbit, Juda und Tweety offen.
06.06.2014
Strache: Groupie
Angeblich ist FPÖ-Obmann H.C. Strache auf einem Privatkongress von Nationalisten und Konservativen von einem russischen Gesandten gemaßregelt worden, der sich weigerte, von Strache mit der Handykamera fotografiert zu werden – wohl eher weil der es lächerlich fand, vor dem Smartphone eines Parteiführers posieren zu müssen, als aus Furcht, in Straches Facebookstream geschwemmt zu werden.
Strache hat sich mit der Aktion klar als Mann des »liberalen Westens« gezeigt: ohne Umstände zu fotographieren und fotographieren zu lassen gehört hier zu Höflichkeit und Säkularität. Wir sind nicht die muslimischen Frauen, die meinen, eine Kamera fange ihre Seele ein. Dieser Sinn für Intimität und Privatsphäre ist bei uns abgestumpft.
Präsident Obama, der sich grinsend für ein Selfie eines Footballspielers zur Verfügung stellte, ist ein Paradebeispiel dieser unüberlegten Fotographiermanie. Erst als nach Veröffentlichung des Selfies der Eindruck entstand, der Spieler verwende es zur Bewerbung der Handys der Firma Samsung, ließ Obama einen Sprecher ausrichten, er fände das nicht okay.
Hier und da trifft man erwachsene Männer, deren erste Aktion beim Betreten eines Raumes das Tapsen auf den Auslösebutton ist – erwachsene Männer. Und es sind keine Statisten oder funktionelle Nebenfiguren wie die Kriminalfotographen im Film, oder Praktikanten bei Leni Riefenstahl. Strache gehört anscheinend zu ihnen.
Wenn der russische Gesandte ein Mustermann jener Eurasischen Union ist, wie Putin sie starkzumachen gedenkt, kann ich ihm zumindest für seinen Anstandssinn und seinen Anspruch auf Bewusstseinssouveränität Wohlwollen entgegenbringen.
Vladimir Nabokov hatte dafür Ein Wort gehabt: Stolz. Falls Strache das nicht versteht, nennen wir es: political correctness für Konservative.
Vladimir Nabokov hatte dafür Ein Wort gehabt: Stolz. Falls Strache das nicht versteht, nennen wir es: political correctness für Konservative.
27.05.2014
Tschunggoj
Since I’ve moved to China two years ago I am
occasionally overwhelmed by feelings of foreignness and strangeness
– a perfectly trite sentence; it could have been written by Elliot Rodger, had the “perfect gentleman” ever tried to bring his, as I see it, “great challenge not to get laid” to China, and nourish his self-pity there.
But how can I talk about the trite experience of strangeness in China without lapsing so quickly into triteness?
Maybe by first dropping the cue that so often kicks off the uncanniness: the word laowai (non-Chinese, foreigner, dear old foreigner, old pig foreigner, you name it.)
Don’t say it, don’t hear it, don’t think it.
Maybe by first dropping the cue that so often kicks off the uncanniness: the word laowai (non-Chinese, foreigner, dear old foreigner, old pig foreigner, you name it.)
Don’t say it, don’t hear it, don’t think it.
Tschunggoj
is my
epithet for laowai.
中GOY. Zhonggoy. Delicious!
Like the goy, a tschunggoy does not belong to the club in question, the 中国人 Chinese of the People’s Republic or the 华人 Huaren racial Chinese.
中GOY. Zhonggoy. Delicious!
Like the goy, a tschunggoy does not belong to the club in question, the 中国人 Chinese of the People’s Republic or the 华人 Huaren racial Chinese.
Goy
sounds a bit like guo, 国, country, the second character in
Zhongguo, China.
It
is the playful variant to the word laowai that I want to proffer. Spread the
word.
Because
I can’t stand to hear the word laowai, no matter out of a Chinese guy’s mouth
or a tschunggoy’s (who sometimes take pride in being a tschunggoy, which is a different matter).
I
recently when speaking with Chinese (in Chinese) adopted their word 洋人 yangren to
designate foreigners. It means foreign man, mostly Western foreign man. (外国人 waiguoren outside-country-man as sort of politically correct term is too tame anyway, and a trite too.)
tschunggoy gives me the connotations I want, namely of strangeness, and succeeds in draining out of the conversation the pre-syllable 老 lao/old that is used in so many appellations.
tschunggoy gives me the connotations I want, namely of strangeness, and succeeds in draining out of the conversation the pre-syllable 老 lao/old that is used in so many appellations.
These appellations may be appreciative or derogatory: their common ground is that the speaker pretends to some familiarity
with the person he so calls a lao... anything.
Lao means “old”, it means “familiar to me!”, it makes you the connoisseur of what you see, the
Lao means “old”, it means “familiar to me!”, it makes you the connoisseur of what you see, the
lao
shou (old hand),
lao
tou (old bloke),
lao
po (“old” wife),
lao
wai (“old outie” – foreigner).
I
know there are social functions to the word laowai. I don’t care about them.
I
want the average Chinese guy who from his average WeChat clippings, his average
CCTV exposure, his average bump into a foreigner and from his average thoughts claims to
know what a laowai is, to give up his goddamn prejudice – and first meet a
foreigner as a perfect stranger, not a known laowai.
In
fact we all ought to meet all persons firstly as perfect strangers.
That
said, I’m going to read A Goy Who Speaks Yiddish. I’ll download its Kindle edition as soon as I’m
book-horny again (and finished some of my unread purchases).
It seems to be a treasure of historical research. It concerns mostly
German speaking theologians in the middle ages who study Yiddish, and the
reception they got in the Jewish realm.
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