17.04.2017

Isn’t it time for German linguistics?

Der VW-Designchef Klaus Bischoff weiß alles, nur nicht, wie man seine nächste Luxuslimousine Arteon ausspricht.
Wenn die andere Zukunftshoffnung Volkswagens auf den Markt kommt, I.D. Buzz, können wir dann getrost vom Idee Butz sprechen statt vom Ai. Di. Bass.

12.04.2017

Osterlektüre

Heute Biographie über Florian Kuntner gekauft. Titel kindisch (Vom Lausbuben zum Bischof), befriedigend viele Fotos, eines von ihm beim Apfelstrudelmachen.

25.12.2016

Zwei Versionen eines Radfahrgedichts

Aus dem Heft »Ten Poems about Bicycles« der Candlestick Press (2009:2015) ein Gedicht von James Roderick Burns, Boy on a Bicycle:

A boy rides a bicycle before the first world war. He is eighteen,
almost nineteen – a man, really – and wears his new uniform with
pride. He is cycling along an embankment on the outskirts of a
small town. The sun is halfway towards noon, the wind tousling his
light brown hair; his pinkish lips are mouthing a music-hall ditty
under his sparse moustache. He is going to see a girl he used to know.

He has no idea he will be dead in a week, his legs thrown out the
wrong way under a snarl of barbed wire. Now he marvels at the
warmth of his muscles as the chain drives the wheels around.
Now his tongue tastes of mint and apples.


Ohne den Tod läse sichs so:

A boy is cycling along an embankment on the outskirts of a
small town. The sun is halfway towards noon, the wind tousling his
light brown hair; his pinkish lips are mouthing a music-hall ditty
under his sparse moustache. He is going to see a girl he used to know.

Now he marvels at the warmth of his muscles as the chain drives the wheels around.
Now his tongue tastes of mint and apples.

11.12.2016

Männer (Menschen) landen auf dem Monde

Die Vereinfachung der englischen Sprache lief wohl synchron zur Vereinfachung der Lebens-, Wirtschaft- und Denkweise der Engländer. Auch wenn diese Behauptung nicht stimmt, ist die folgende nicht auszuräumen:
Mit der englischen Sprache lässt sich ein Sachverhalt schneller sagen als mit der deutschen. Der Effekt wird zeitlich und räumlich schneller erreicht:
Weniger Zeit ist erforderlich, um den Effekt Überbringung eines Sachverhalts zu erzielen; und weniger Raum (auf Papier, in binärem Code etc. falls es da cetera gibt).
Nichts illustriert den Gedankengang besser, und die Führungskraft der englischen Sprache über die Welt, als der Satz:
Men land on moon.
Eine Alternative wäre gewesen:
人登月
Liegt es daran, dass die chinesische Sprache eine Verkomplexierung hinter sich hat, dass nicht Chinesen die Ersten auf dem Mond waren?

人性登陆月球 dauert in der Überbringung länger als der englische Satz.

19.11.2015

Pollock-Parks


SPÖ und Grüne in Wien vereinbarten in ihrem Koalitionsvertrag die Verbindung von Parks mittels Alleen und Grünstreifen zu »linearen Parks«.
Ich erzählte es heute Camillo Sitte und vernahm seine erwartbaren Einwände. Die linearen Parks verstießen gegen seine Regeln: Alleen nur da zu pflanzen, wo sie notwendig seien, etwa entlang von Landstraßen durch staubige Felder, wo ihr Nutzen ihre Langweiligkeit übertrumpfe. Und Stadtgrün sparsam zu setzen, damit es nicht überall zu einem Dorn im Auge werde. Stadtgrün verdecke Bauwerke und trage zu guter Luft so wenig bei wie ein Babyfurz zu schlechter.
Schon lange hasse er die Stadt, die Häuserblöcke, die gigantischen Kreuzungen, offenen Parks. Die Farbtupfen »namens Parkanlagen« nun mit Pinselstrichen miteinander verbinden zu wollen sei ein bedauernswertes, seit langer Zeit von ihm vorhergesehenes Unternehmen; die Politiker Amateure, die sich in Schüttkunst versuchten und in der Hoffnung auf einen Geniestreich à Pollock so lange Farbkleckse verwischten, bis ein Bildnis wie von schlecht Verdautem zu Tage liege.
Ein Strauch mit Blüten in einer Stadtstraße – das genüge, oder ein andermal ein Blick zum Himmel, zu einem grauen Himmel, gegen den ein Vogel fliege. Hier wandte ich ein: Gottfried Benn habe das geschrieben. Sitte sagte: Wer ist das.

08.11.2015

Entwicklungsland Mariahilferstraße

Mit der Stilllegung von Straßen und der Zuteilung des gewonnenen Raumes an Gehende und Sitzende versperren die Grünen in Wien der Weiterentwicklung des Individualverkehrs den Weg.

Auf der Mariahilferstraße gab es früher zwei Fahrradstreifen und auf diesen größere Bewegungsfreiheit für Radfahrer als in der neuen Begegnungs- und in der Fußgängerzone. Da war Eine Bahn – respektiert von Autofahrern und Gehenden. Frei zur Entfaltung des Vorwärtsdranges. Radeltest du gemächlich, mussten schnellere Radfahrer hinter dir, analog zum Autofahren, sich gedulden und auf eine Überhol-Gelegenheit warten. Diese bot sich im ohnehin stockenden KFZ-Verkehr und an Ampelkreuzungen oftmals. Schnelle Radler kamen schneller und gemütlicher vom Europaplatz zur Hofburg, gemächliche gemächlicher und immer noch schnell.
Heute herrscht ein Durcheinander »freier« menschlicher Bewusstseinssysteme, die alle ihrer Wege gehen. Es gibt mehr sich kreuzende Wege als zuvor, und Radfahrer müssen sich mit jeder Befahrung aufs Neue Ordnung schaffen.
 
Es geschah, dass ich einem Fußggängerpaar auswich und einen von hinten kommenden Radfahrer am Fortkommen auf seinem imaginären Weg behinderte.
Aufpassen! knurrte er. 
Ich bat um Verzeihung. Ärgerte mich sofort darüber. Wozu die Untertänigkeit? Einen Zusammenprall hätte er verantworten müssen, weil Auffahrunfall: Auffahrender schuld. Die Regel ist aber außer Kraft gesetzt!
Es beginnt bei den Gehenden. Die gehen. Und ihr Recht dazu gilt nun auf der gesamten Fläche der Mariahilferstraße. Sie üben es aus, manche rücksichtslos, schwierig zu polizieren.
Dann komme ich dahergerollt – keine Rede mehr von permanentem Durchtreten der Pedale – und weiche den überall kreuzenden oder fortwärtsschlängelnden Gehenden aus: und zwar zugegeben ohne zu beachten, was hinter mir geschieht: das Radfahr-Äquivalent zum Seiten-Spiegel-Seitenblick ist ausgeschaltet. Sind ja keine (besonders schnellen) Autos zu beachten.
Hinter mir jedoch der Radfahrer »verhandelt sich seinen Weg« (wie es in der englischen Sprache hieße) über eine auch für ihn »freigeschaltete«, grenzenlose Fläche mit beliebig wählbarer Route. Für ihn ist ausgeschaltet die Regel, dass er Langsame vor ihm verschonen muss. Wenn ihm nunmehr etwas in die Quere kommt, ist er wütender, als er früher auf dem Radfahrstreifen der alten Mariahilferstraße je hätte sein dürfen.
Eine Kettenreaktion der Rücksichtslosigkeit!
Der Raum der Radfahrer wurde enteignet. Früher hatten sie ihren Streifen, ihre Bahn; heute Öffentlichkeit, »Begegnungszone«, Umständlichkeit. Wie in einem Entwicklungsland geht es zu, seitdem die Grünenauf das »Reset« des Städtebaus drückten. Es ist besser, auf ein Entwicklungsland hinabzublicken und es spannend zu finden, als in einem zu leben. Auf tabula rasa folgt die Neuschaffung von Regeln. Hierbei scheint mir die Vielzahl der Fußgänger, unter demokratischen Bedingungen, im Vorteil zu sein.

06.11.2015

Instagram Laterpost


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Am 26.10.2018:
Dann bin ich geschockt, dass meine geniale Instagram-Serie „Die Gemächte“, entstanden an einem einzigen Tage in Shanghai, seit 6.11.2015 im Blogger-Entwurfsmodus liegt und nicht hier „veröffentlicht“ worden ist. Na dann hier ist sie, und ich merk die Links funktionieren eh nicht mehr:

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Das Gemächt des Körpers.
Das Gemächt des Willens.
Das Gemächt der Musik.