25.09.2014

FBI-Studie

Im WSJ eine Definition aus einer Studie des FBI zur Häufigkeit von Amokläufen in den vergangenen Jahren.
Ein Aktivschießereignis (active-shooter event) sei “an individual actively engaged in killing or attempting to kill people in a populated area.”
Ein Adverb zu wenig (was selten anzutreffen ist, vor allem bei diesen landläufigen heavily populated area-Sätzen) und ein Widersinn: Lassen sich an einem unbevölkerten Ort viele Leute umbringen?
Wenn das Wort populate irgendwann einmal anglisiert worden wäre, dann hieße die Definition: “an individual actively engaged in killing or attempting to kill people in a peopleated area”, und dem FBI-Studienautor wäre der Widersinn aufgefallen.

22.09.2014

Abkürzung in der Megalomanie

Hier konnte ich Chinas Investitionswahnsinn, Ressourcenverschwendung, Fußgängerunfreundlichkeit und den universalen freien Wille der Füße in ein Bild fassen;








das Rot markiert die Mehrwege, die der chinesische Traum von Harmonie und Kraftfahrzeug der gehenden Bürgerin abverlangt. Der Trampelpfad rechts im Bild ist der Beweis, dass Karten auch heute noch von Füßen gezeichnet werden.

12.09.2014

Speak Lotus Magnétophone

Mein nächster Song wird eine Symphonie aus Speak Low von Kurt Weill in der Version von Billie Holiday, Lotus Flower von Radiohead, und Magnétophone von Die Schaben (= meine Band).
Zum ersten Anhören genügt diese musikalische Skizze, im Juni 2014 in meinem Instrument Dongfeng Citroen Elysée mit dem iPhone aufgenommen, genau in jener Minute, in dem die Idee gekommen war.

“Wearable” neckties

Was mir zu den Wearables einfällt, schrieb ich kürzlich so für eine Arbeit nieder:

Underneath the microtrends of the fashion industry, a trend is lingering that eventually might obliterate all things physical: the fusion of man and machine.
Initially in this process, the “machine” was attached to the body. Watches have now been worn since the 15th century CE. Pens clasped breastpockets. Filofaxes, dictaphones, pagers, PAs, cellphones and smartphones were carried by hand, some people stowed them in belt cases.
These machines and their functions are now morphed into one gadget, appearing right now as smart watches. They are coming back to the wrist of mankind, a comfy seat we are already used to give to them.
But then, the more technology gets attached to the body, and the more brain functions are outsourced to chips, the more these chips are going to source themselves into, alas, the corpus.

[Die vor kurzem wieder einmal bejammerte Kurzsichtigkeit wird dann obsolet sein. Der Augapfel wird sich nicht nur verlängert, sondern umgedreht haben, und den »Brennpunkt« seiner Impulse im Hirn haben, auf einem Chip, und nicht außerhalb, in der Wirklichkeit.]

So while in some years Zara might re-popularize the necktie as a wearable that houses sensors, cameras and loudspeakers between two layers of fashionable silk cloth [was für eine köstliche Idee ich da hatte! Schenkte ich euch.], in the end technology might as well completely suck us into virtual reality, and strip us of our physical presence. As depicted in fiction, we might lie inert in chambers, our heads plugged into machines. Henceforth, getting dressed is superfluous.

Thus Inditex is kindly adviced to set up digital design departments for digital fashion. Clothes in virtual realities aren’t made of fiber. But consumers are still going to want to suit up.

11.09.2014

Soravia Radweg

Vorschlag der Grünen, über Supermärkten und Schulen Wohnungen zu bauen. Find ich auf jeden Fall besser als Hochhäuser (die Grünen-Sprecher Chorherr ebenfalls nicht für notwendig hält). Passt zu Wien. Von Freud kam der Gedankenanstoß, ein aus allen Zeiten zusammen- und übereinandergewachsenes, nie zugrundegegangenes Rom sich vorzustellen. Am Donaukanal bereits verwirklicht, wo Zaha Hadid über der alten Stadtbahn baute. Das Konzept ist sowieso logisch und an vielen Orten gebaut, z.B. unweit der S-Bahnstation Hernals, wo von vorneweg über dem Merkur Wohnungen geplant gewesen waren.
Selber will ich angesichts des grünen Vor-Wahl-Enthusiasmus vorschlagen:
Ein Radweg-Viadukt: zwischen fünf und zehn Meter hoch, mit einer kleinen Steigung vor dem Museum Albertina....der Radweg soll über den Soravia-Wing verlaufen, von der Goethegasse her kommend (und davor natürlich von der Mariahilferstraße), und in die Leopoldstadt führen. Die kleine Steigung, die der bestehende Soraviaflügel darstellen würde, wäre eine Pointe oder ein Gag oder eine photo opportunity oder eine Anspielung auf die hohe Kunst da drinnen in der Albertina oder so.
Der Ringradweg ist ja super, aber ein direkter Weg durch die Innere Stadt wäre schon toll. Würden die Namengeber ihren Namen noch einmal stiften? etwas spenden? den Radweg glatt bauen? Bitte, Soravia Brothers.

09.09.2014

Software und Architektur

Die Kreise die jetzt so beliebt im Interfacedesign sind (»think Apple and Google«) werden irgendwann so hässlich sein wie die runden Fenster der 1980er Jahre. Aber;

04.09.2014

Gegen Parks, gegen Alleen

Was wird als »langweilig« empfunden? Das Wort ist Bestandteil der höheren Geschmacksurteile geworden. In der Populärkultur hat es u.a. durch den gestörten Chinesen in den Hangover-Filmen Verbreitung gefunden. Der an schriller Abstoßendheit an den Koreaner Psy Heranreichende sagt er immer »langweilig!«, wenn in seiner Umwelt die banal-brutalen Späße ausbleiben.
Zu dem Faszinierendsten, was ich in letzter Zeit gelesen habe, gehört daher der Städteplaner Camillo Sitte, der mit populärem Anspruch nichts geringeres langweilig findet als Alleen. Reihen von Bäumen an Straßen. Die Alleen gehören zu Landstraßen, die anders kaum gestaltbar seien. Der Städtebau hingegen sei eine Kunst.
Pflanzen (»Großstadtgrün«) denkt er stets als Ensemblemitglieder mit klar zugewiesenem Ort. Der einzeln gepflanzte Baum. Der von Hauswänden umgebene Garten. Urban Gardening als Bestandteil der einen Vision Sittes, Städtebau als Kunst, die in ihrer Totalität ein Vorläufer heutiger »smart city« Bewegung war.

Keine Hoffnungssaat, wie Walt Disney-geprägte Leute, oder Fans von Guerilla Gardening sie sich vorstellen mögen, die irgendwann alles aufsprengen und das Paradies ersprießen lässt.
Zu den publikgemachten Vorhaben der Wiener Stadtplanung muss ich diese, von Sittes Städtebau empfangene Einsprüche erheben.
1. Begrünung nicht in Form von neuen Parks durchführen, sondern kleinteiliger, als Gärten, und keinesfalls über ganze Häuserblöcke erstreckend, sondern in Baulücken eingefasst, in Höfen, und stets von Wänden umgeben, und von den Grünraum eröffnenden Portalen. Vor Lärm und Staub »geschützt«, wie er hinweist.
2. Baumpflanzungen nicht in Form von Alleen. Sitte waren diese nicht nur ein Ausbund an »Langweiligkeit«, sondern auch unklug, da meistens eine Seite immer weniger Licht abbekomme; unökonomisch in der »maintenance«, und, vor allem, mit ihrer Eintönigkeit und Naturhaftigkeit verdeckten sie die Bauwerke. Wer Sitte vorwerfen möchte, er sei bereits zu seiner Zeit längst überholt worden, der lese sein Buch genauer, in dem er wiederholte Male die unwiederbringliche Verlorenheit alter Stadtpracht eingesteht – ja, predigt – und bereits institutionelle Übel zu verbessern trachtet; und möge sich überlegen, ob die allerschicksten Architektengebäude, beginnend mit Loos’ Haus Michaelerplatz, gerne von Bäumen verdeckt werden wollten, und wer eigentlich vor lauter Bäumen die Stadt nicht mehr sehen möchte.
Sittes Kriterium »Abwechslungsreichtum« können Alleen sowenig wie monotone Plattenbauten erfüllen, aber von Bäumen schrecken Stadtplanerinnen nicht zurück, weil sie eine als grünhungrig vorgestellte (erhoffte) Wählermasse befriedigen und gleichzeitig ein geschlossenes Stadtbild erzeugen.
Drastisch führt das die Hauptstadt der chinesischen Provinz Jiangsu und ehemalige Reichs- und Republikshauptstadt vor, Nanjing, wo tausende während des Regimes Chiang Kai Sheks gepflanzte Platanen mittlerweile eine Pracht entfaltet haben, die der Stadt ein ehrwürdiges Flair und historische Tiefe verpassen. Ohne sie wäre Nanjing mit anderen Städten des Südostens verwechselbar – die nämlich alle, der Hitze wegen, alleendurchwachsen sind, aber noch nirgendwo die Majestät Nanjings erreichten. Daher protestieren die Nanjinger auch, wenn der Ubahnbau Platanen fällt, und werden dafür von der Partei nicht eingekerkert. Sollte Wien heute Alleen pflanzen, wird sie diese nie wieder los. Aber genauso verhielte es sich mit Bauwerken. Niemand würde die Haydn-Statue an der Mariahilferstraße wegräumen und durch eine Eiche ersetzen wollen. Insbesondere, da Haydn zum Fassadenloch im Gerngross passt:
Der Gegenentwurf. Sitte planzt Bäume einzeln und dorthin, wo sie einen Ort ergänzen; und wo sie wegen ihrer Einzigartigkeit dann besser wirken als massenhaft Bäume. Dass die meisten Wiener keine Baumreihen so wie Asiaten als Schattenkorridore, zum Schutz vor Sonnenlicht und Erhalt der weißen Haut benötigen, steht außer Frage.
Es heißt, der Grünanteil Wiens solle erhalten werden – das darf wohl so sein. Aber eine Erhöhung fände ich obszön. Unser Land ist waldreich – können wir in unserer Hauptstadt städtisch sein? Ein schicker Bewuchs, à la mode, mag da passen, ein Vollbart nicht
Und können wir eines beibehalten in Wien? die horizontale Dichte?
Es wird ja allerhand über die Notwendigkeit dichter Bebauung schwadroniert. Die einschlägigen kompetent-populären Sachbücher angelsächsischer Provenienz werden in den Buchbesprechungen so ausgelegt, als könne eine dichte Stadt alleine himmelwärts wachsen.
Denkt dabei irgendjemand an Rudolfsheim Fünfhaus? 3 Quadratkilometer, 70.000 Einwohner.

02.09.2014

Ich bin ein glasshole

ohne glass. Ungefähr so hieße bei mir Ich bin ein Neutrum mit Bedeutung.