21.04.2013

Buchstaben als revolutionäre Zellen

Las von Frau Ping Fu Bend, not Break. Faszinierende Einzelheiten:
Im Garten ihres Familienhauses in Shanghai stand in den 1960er Jahren ein Brunnen, der kristallklares Wasser zu Tage förderte.
Und: Ping Fu war Schreib-Avantgardistin. Sie hatte früh das Laut-Beschreibesystem Pinyin gelernt und konnte dadurch im Alter von acht Jahren, wo sie viele Schriftzeichen noch nicht kannte, bereits ihre Gedanken aufschreiben. Denn was sie als Phon im Kopf hatte, konnte mit dem römischen Alphabet zu Schriftsprache geschmiedet werden. Ping Fu durchbrach aus eigener Kraft, durch Kenntnis von simplen generischen Bausteinen, die Zwänge der chinesischen Schriftsprache. Sie widerstand der Repression der Rotgardisten, die Familien zerstörten und folterten.

Foto: Wilhelm, 1774

Hygiene

Die Dyson Luftklingen sind eklig, sagte ich einmal, entdeckte aber vor kurzem eine aufgezeichnete Unterhaltung (Interview) mit ihrem Erfinder, der in England ein Heer von Ingenieuren zur Verfeinerung der Dyson Hygieneprodukte beschäftigt. Bis diese einen angenehmeren Handtrockner entworfen haben, begnüge ich mich mit diesem tollen Handtrockner von Panasonic oder dem Dyson-Abklatsch von Toto, den ich neulich in Hongkong vorfand und natürlich fotografierte. Für etwaige Chinareisen empfehle ich Herrn Dyson das Hangzhou Bay Hotel bei mir in der Nähe in Cixi: die Toilettentüren öffnen automatisch (zum Händeabwischen liegen feuchte Handtücher bereit).
Frau Barbara Wielander, Autorin des Artikels Saisonbeginn in der Hermannshöhle (Gemeindeinformation Kirchberg am Wechsel, Nr 1/2013) rate ich, Fledermäuse nicht als harmlose Tiere zu bezeichnen; von ihnen hat der Mensch sich SARS geholt.





16.04.2013

I'd be crazy not to follow

Wie ähnlich Thom Yorkes und Bono Vocis voces klingen. Dass U2s Platte »Pop« von Radiohead eingespielt ein um zwei Jahre früheres »Kid A« gewesen wäre, und Radiohead jede U2-Platte verfeinern, und U2 jede Radiohead-Platte verschlimmern, übertreiben würde.

Büro im Erdgeschoß

Vielleicht stößt jemand auf diesen Blog, der nach »Büro im Erdgeschoß« sucht. Eher nicht. Kleine Geschäftslokale bleiben jetzt sehr lange Zeit leer. Naja Architekten sieht man oft in einem Erdgeschoßbüro. Der Hauptsitz meiner Firma ist in einem Erdgeschoßbüro angesiedelt.

Büros im Erdgeschoß entsprechen den »chinesischen Romanen« aus früher Zeit, von denen Goethe Eckermann vorschwärmte: man sieht hinaus, und ein Vogel hebt ab, oder eine schöne Frau geht vorbei, oder ein Greis stürzt, es tut sich was, der abschweifende Blick bleibt unschuldig.

06.04.2013

Gemächlich Hochhäuser bauen

Der aktuelle Wiener Hochhausdiskurs als Lehrmaterial für politische Begriffe.
Reaktionär: Die Wiener Aktivisten verhindern den Bau des Hochhauses auf dem Grund des Eislaufvereins und reißen das Hotel Intercontinental nieder, da bereits dieses gegen die Prinzipien des Denkmalschutzes verstieß. Der Sündenfall muss rückgängig gemacht werden.
Marktwirtschaftlich. Man lässt die »Investoren« bauen, wie sie wollen. (Sie werden einen gewaltigen Turm hinsetzen. Vor ihm werden Sitz- & Liegeobjekte à la »Enzi« hingestellt. Die Öffentlichkeitsarbeiterin der Investoren und Erfinderin der Enzis wird von der Notwendigkeit dichten Bauens sprechen und diesen Wohnturm »Vorzeigeprojekt« nennen.)
Konservativ. Das Wohnbauamt schreibt vor, das Intercontinental stehen zu lassen, da es zum Stadtbild dazugehöre mittlerweile, und, als neueres Denkmal, dieselbe Pflege benötige wie andere alte Bauten. Für das neue Wohnhochhaus daneben werden »strenge Richtlinien« erlassen die Höhe betreffend;
Progressiv: ...das Wohnhochhaus darf das Intercontinental nur so weit überragen, dass der Eindruck einer gemächlichen Steigerung entsteht, gemächlich-g'mütlich-wienerisch; eh gut. Übersetzung: »harmonisches Wachstum«.
Die zeitgenössische chinesische Architektur zur Anschauung gemächlichen Überragens und over-the-top-Überragens: 1) Eine Wohnhausanlage in Cixi, Provinz Zhejiang; 2) Ansicht eines Kolonialgebäudes in Dalian, hinter dem ein Bombast-Breithochhaus prunkt.















Fotos: Wilhelm, 1774 (2013)